Häuser und Hochwasser: Felsberg löst Problem des Retentionsausgleichs

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Holger Knorr ist Pionier in Sachen Bauen im Überschwemmungsgebiet.

Felsberg. Als Holger Knorr Baupläne schmiedete und ein privates Grundstück am Haintor in Felsberg kaufte, ahnte er nicht, was auf ihn zukommen würde. Das ebene Grundstück liegt im Überschwemmungsgebiet. Wer dort baut, muss das Volumen des Hauses hinsichtlich der Wasserverdrängung ausgleichen. Die Stadt Felsberg hat dafür eine Lösung gefunden, die bislang einmalig im Landkreis ist und Knorr und eventuell weiteren Bauherren hilft.

Denn: Holger Knorr muss Platz schaffen, auf dem sich das Wasser ausdehnen kann. Auf seinem 750 Quadratmeter großen Grundstück mit einem Haus von 140 Quadratmeter Grundfläche schlicht unmöglich.

Die Lösung: Da die Schwalm ohnehin bei Rhünda renaturiert werden soll, wird dort eine zusätzliche, 3000 Quadratmeter große, Fläche geschaffen. Dorthin werden die 150 Kubikmeter, die Holger Knorr ausgleichen muss, verlegt. Dabei sei die Untere Wasserbehörde von einem Hochwasserpegel von einem Meter ausgegangen, erzählt der Felsberger.

Was für den Ausgleich finanziell auf ihn zukommt - das wissen weder Bürgermeister Volker Steinmetz noch Heinrich Kern vom Umweltamt, und folglich auch der Bauherr selbst nicht. Auch an die Folgekosten ist zu denken, denn die Retentionsfläche muss gepflegt werden.

Die Stadt ermöglicht mit dieser Gemeinschaftslösung die Bebauung von Baulücken, was erwünscht ist. Bürgermeister Volker Steinmetz: „Holger Knorr ist zwar der Erste, aber es können mehr werden.“

Auflagen auch bei Heizung

Beim Bauen im Überschwemmungsgebiet gilt nicht nur das Gebot des Retentionsausgleichs, es müssen auch andere Dinge beachtet werden. So verzichtet Knorr auf einen Keller und setzt das Fundament 50 Zentimeter über Bodenniveau. Eine Ölheizung geht nicht, eine Gasleitung liegt nicht. Ein unterirdischer Gastank ist ebenfalls nicht möglich, und für einen oberirdischen müsste wiederum ein Ausgleich geschaffen werden. Auch wenn die Entscheidung, welche Heizung es denn werden wird, noch nicht gefallen ist: Momentan tendiere er zu einer Pellet-Heizung kombiniert mit Solarthermie, sagt der Häuslebauer in spe.

Die ganze Hochwassergeschichte habe ihn ein Jahr gekostet. Eigentlich hätte er im vergangenen März anfangen wollen, das Haus für sich und seine Lebensgefährtin zu bauen. Doch statt der erhofften Baugenehmigung kam damals die Ablehnung. Nun stehen die Chancen gut. (bmn)

Quelle: HNA

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