Angeklagter in der Schuldenfalle

Haft für Betrüger aus dem Schwalm-Eder-Kreis: Käufer wurden online abgezockt

Treysa. Wegen 28-fachen gewerbsmäßigen Betrugs musste sich ein 25-jähriger Mann aus dem Schwalm-Eder-Kreis vor dem Schöffengericht in Schwalmstadt verantworten.

Der Berufskraftfahrer war in Berlin verhaftet worden und saß in Ziegenhain in Untersuchungshaft.

Im Prozess wurde schnell deutlich, dass der Mann bei seiner Betrugsserie zwar mit großer krimineller Energie vorgegangen war, aber auch sehr dilettantisch. Die angeklagten Taten seien wohl nur die Spitze des Eisbergs, sagte die Staatsanwältin: "Es gibt viele Verfahren. Das tröpfelt so bei uns ein. Ich habe hier eine Liste, die muss man wöchentlich aktualisieren."

25-minütige Anklageverlesung

Bereits die Zahl der zwischen Ende 2015 und Anfang 2017 begangenen Straftaten war beachtlich. Die Anklageverlesung nahm rund 25 Minuten in Anspruch und strapazierte die Stimmbänder der Staatsanwältin.

Im Tatzeitraum hatte der Mann nicht nur unzählige Smartphones über diverse Internetplattformen verkauft, ohne anschließend die Ware zu verschicken, sondern auch noch drei Fotoapparatverleiher um teure Kameraausrüstung betrogen. Laut Anklage entstand bei den Betrügereien bislang ein Schaden von rund 29.000 Euro.

Für Kopfschütteln sorgte die Tatausführung. Um seriös zu erscheinen, hatte der Mann den Käufern im Zuge der Verkaufsabwicklung mittels WhatsApp Bilder seines Personalausweises geschickt. Auf die Frage des Gerichts, ob denn noch Sachen nachkommen würden, zuckte der Angeklagte hilflos mit den Schultern und erklärte, dass bundesweit wohl mindestens elf Kameraausrüstungen offen seien.

Grund für die Betrügereien sei seine desolate finanzielle Situation gewesen, sagte der Mann und sackte dabei merklich in sich zusammen. Mithilfe eines Privatkreditgebers aus der Region habe er versucht, seine Gläubiger zu bedienen, so der 25-Jährige weiter: "Ich habe mich im Internet schlaugemacht."

Filmreife Kreditrückzahlung

Die Rückzahlung des Kredits im Wert von 30.000 Euro – plus 20.000 Euro Zinsen – gestaltete sich filmreif. Monatlich habe er dem Unbekanntem das Geld in Zella am Bahnhof in einem Briefkasten hinterlegt, erklärte der Berufskraftfahrer. Irgendwann reichte das Geld nicht mehr und er sei auf die Betrugsidee gekommen, so der Angeklagte weiter.

Auf die Frage der Staatsanwältin, ob er seine Taten aus Angst begangen habe, nickte der Mann mit dem Kopf und sagte schluchzend "Ja". Während das Gericht der Geschichte des Mannes durchaus Glauben schenkte, zeigte sich die Vertreterin der Anklage skeptisch. Letztlich verurteilte das Gericht den Vater einer kleinen Tochter zu drei Jahren Haft. Der Mann habe nie gelernt mit Geld umzugehen und wollte ein Loch mit dem anderem stopfen, so der Richter: "Das Kartenhaus ist jetzt in sich zusammengefallen."

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © dpa

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