Angeklagter machte naiven Eindruck

Haft für betrunkenen Fahrer - Unfallopfer starb nach zwei Wochen im Krankenhaus

Treysa. Wegen fahrlässiger Tötung, fahrlässiger Körperverletzung und vorsätzlicher Gefährdung des Straßenverkehrs verurteilte das Amtsgericht Schwalmstadt einen Mann zu zwei Jahren und drei Monaten Haft ohne Bewährung.

Die verhängte Gefängnisstrafe liegt weit über dem von der Staatsanwaltschaft geforderten Strafmaß von einem Jahr und vier Monaten auf Bewährung. In der Urteilsbegründung bewertete das Gericht das vorsätzliche Verhalten des Mannes aus dem Altkreis Ziegenhain als strafverschärfend: „Wer so viel trinkt, der weiß, dass er nicht mehr fahren kann.“ Nach so einer Tat könne es nicht sein, dass der Angeklagte als freier Mann aus dem Gerichtssaal geht, sagte der Richter.

Frau starb zwei Wochen nach Unfall in Asterode

Rückblick auf die Tat: Am 9. Oktober vergangenen Jahres hatte der 33-Jährige mit 1,67 Promille Blutalkohol in Asterode, einem Ortsteil von Neukirchen, einen Verkehrsunfall verursacht. Dabei wurde ein älteres Ehepaar schwer verletzt. Tragisch: Die Ehefrau starb zwei Wochen später an einer Thrombose. Ihr Tod sei eine Unfallfolge gewesen, so eine Rechtsmedizinerin. Laut eines weiteren Gutachters war der Angeklagte mit seinem Golf kurz hinter dem Ortsschild unvermittelt auf die Gegenfahrbahn geraten und mit 75 bis 85 Stundenkilometern in das entgegenkommende Auto des Ehepaars gekracht. Die mögliche Reaktionszeit habe lediglich 0,5 Sekunden betragen, so der Sachverständige: „Es gab keinerlei Anzeichen, dass die Unfallbeteiligten auf den Zusammenstoß reagiert haben.“

Erinnerung an den schweren Unfall in Asterode: Der betrunkene Angeklagte verlor im Oktober 2016 die Kontrolle über sein Fahrzeug. Dabei verursachte er diesen folgenschweren Unfall. Ein älteres Ehepaar wurde schwer verletzt. Die Frau starb zwei Wochen nach dem Unfall an einer Thrombose im Krankenhaus.

Der Angeklagte räumte die Tat ein und entschuldigte sich bei den Angehörigen der Toten. Er sei aus unerklärlichen Gründen auf die Gegenfahrbahn geraten, so der Mann.

Gericht sieht Vorsatz

Nach dem von ihm vorsätzlich verursachten Unfall könne der Mann nicht so einfach weiterleben wie bisher, so der Richter in seiner Begründung. Das harte Urteil kam für die meisten Prozessbeteiligten wohl überraschend – sowohl Staatsanwaltschaft als auch Verteidigung hatten jeweils eine zu Bewährung ausgesetzte Haftstrafe beantragt. Dem 33 Jahre alten Angeklagten schien weder die Tragweite der Verhandlung noch die des Urteils bewusst zu sein. Während des gesamten Prozesses machte der Mann einen naiven Eindruck, wiederholt musste der Verteidiger an seinen Mandanten gerichtete Fragen in einfache Worte fassen.

In der knapp zweistündigen Verhandlung wurde der tragische Unfall mithilfe von Zeugen und Gutachtern noch einmal bis ins Detail aufgerollt. Damals an der Unfallstelle eingesetzte Polizisten erinnerten sich noch gut, die Fahrerin sei hinter dem Lenkrad eingeklemmt gewesen, so ein Polizeibeamter gestern: „Die Straße war bis Mitternacht voll gesperrt.“

Erschütternd die Aussage des 63-jährigen Ehemanns der später verstorbenen 57 Jahre alten Fahrerin. Sie seien damals auf dem Nachhauseweg von einer Feier gewesen, erinnerte sich der Rentner: „Meine Frau ist ganz normal gefahren. Sie hat noch gesagt: „Was ist das denn – und dann war alles vorbei.“ Trotz eigener schwerer Verletzungen versuchte der 63-Jährige seiner Frau zu helfen und blieb bis zum Eintreffen der Rettungskräfte in der Nähe des auf dem Dach liegenden Autos. Er sah seine Frau nicht mehr. Als sie im Krankenhaus an den Folgen einer Thrombose starb, lag der Mann in einer anderen Klinik. Die ganze Familie leide bis heute unter dem Verlust, sagte der Witwer: „Es fehlt etwas.“

Die Verteidigung kündigte an, Rechtsmittel gegen das Urteil einzulegen.

Quelle: HNA

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