Angeklagter wegen versuchten Betruges zu Freiheitsstrafe verurteilt

In Haft für Schockanrufe

Treysa. Ein 28-jähriger Mann aus Litauen ist vor dem Amtsgericht Treysa zu einer Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten wegen versuchten gewerbs- und bandenmäßigen Betruges in drei Fällen verurteilt worden.

Mit Hilfe einer Dolmetscherin erzählte der Angeklagte, dass ihm in Litauen ein Job mit guten Verdiensmöglichkeiten angeboten worden sei. Seine Aufgabe sollte sein, bei Privatpersonen in Deutschland etwas abzuholen. Um was genau es sich dabei handelte, sei ihm nicht mitgeteilt worden. Von den sogenannten Schockanrufen, mit denen seine Auftraggebern zuvor ihre Opfer unter Druck setzten, will er ebenfalls nichts gewusst haben.

Der Ablauf der Taten war immer derselbe. Zunächst erfolgte ein Anruf aus Litauen bei in Deutschland lebenden älteren Menschen russischer Abstammung. Der Anrufer gab mit weinerlicher Stimme vor, ein naher Angehöriger zu sein und einen Unfall verursacht zu haben.

Ein Mädchen sei schwer verletzt worden, und er brauche Geld, um einer Gefängnisstrafe zu entgehen. Zeigten sich die Opfer zahlungswillig, schickte der Bandenkoordinator jemanden, der das Geld abholen sollte. Diese Vorgehensweise bestätigten vor Gericht alle sechs geladenen Zeugen, die im Jahr 2012 einen solchen Anruf erhalten hatten.

Telefone abgehört

Dass der Angeklagte sehr wohl über die Details informiert war, ergab sich aus der Auswertung der Überwachung seiner Mobiltelefone. Als er aus Mangel an Beweisen nach seiner ersten Festnahme wieder auf freien Fuß gesetzt wurde, rief er sofort seine Hintermänner an und fragte nach dem weiteren Ablauf. In diesem Gespräch erwähnte er auch, dass er der Polizei Märchen erzählt habe und man nichts gegen ihn in der Hand habe. Er wurde daraufhin mit dem Zug nach Nordhausen geschickt, um den Tatplan dort mit neuen Opfern weiterzuverfolgen.

Vom Amtsgericht Nordhausen ist der Mann inzwischen wegen ähnlicher Taten zu einer Freiheitsstrafe verurteilt worden und befindet sich bereits in Haft. Das Gericht hielt ihn jedoch nur für einen Helfer. Die Richterin glaubte ihm, dass er nur als Bote eingesetzt wurde.

Diese Ansicht teilte der Richter am Amtsgericht Treysa nicht. Der Angeklagte habe in direktem Kontakt zu den Opfern gestanden. „Das war eine niederträchtige Art der Vorgehensweise“, betonte er. Die Sorge der Opfer um Angehörige sei ausgenutzt worden. Aus den Protokollen der Telefonüberwachung ergebe sich zudem eindeutig, dass er weitgehend in den Tatplan eingeweiht war.

Es blieb bei Versuchen

Strafmildernd wirkte sich aus, dass die drei angeklagten Taten jeweils im Versuchsstadium stecken geblieben waren.

Die Opfer waren durch die Zeitung und persönliche Erfahrungen bereits vorgewarnt und wendeten sich direkt an die Polizei, so dass kein Schaden entstand.

Der Litauer beteuerte bis zum Schluss, er habe nur seine Anweisungen ausgeführt und nicht gewusst, dass er damit eine kriminelle Gruppierung unterstütze. Er werde vor dem Landgericht in Berufung gehen, kündigte er an.

Von Selina Merle

Quelle: HNA

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