Der halbe Gontermann

Der halbe Gontermann: Homberger nahm über 80 Kilo in einem Jahr ab

Homberg. Es war die Angst vor dem Tod, die dafür sorgte, dass Jochen Gontermann sich jetzt federleicht fühlt. So, als hätte er ein zweites Leben geschenkt bekommen. 166 Kilogramm hatte er 2011 auf die Waage gebracht.

Vorher: Jochen Gontermann

Ein Gewicht, das ihm schwer zu schaffen machte und dem er vom einen auf den anderen Tag den Kampf ansagte - mit Erfolg. Er hat sein Gewicht innerhalb eines Jahres mehr als halbiert.

Jochen Gontermann hat seinen Magen operativ verkleinern lassen. Schlauchmagen heißt das in der Fachsprache. Selbstverstümmelung nennt das Gontermann.

Seit dem 26. September 2011 kann der Homberger nur noch kleine Mengen und längst nicht mehr alles essen. Tierische Fette zum Beispiel verträgt er nicht mehr. Sein Magen kann nicht mehr als 125 Milliliter fassen, also weniger als in eine Kaffeetasse passt. „Das nehme ich gerne in Kauf. Ich habe mich bewusst zu der Operation entschieden.“

Jede Bewegung sei ihm schwergefallen. „Ich musste Medikamente gegen Bluthochdruck und Zucker nehmen. Außerdem hatte ich Entwässerungsprobleme und starke Schmerzen am Hüftgelenk. Dazu die große Sorge, einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu bekommen“, sagt der 60-Jährige. „Ich habe ständig Diäten gemacht, aber die haben nicht geholfen. Da war mir klar, dass ich Hilfe brauche.“

Die bekam er im Fritzlarer Hospital zum Heiligen Geist. Genauer: In der Adipositas-Sprechstunde von Dr. Carsten Bismarck im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar und in der Adipositas-Selbsthilfegruppe. „Er machte mir klar, dass ich auf natürlichem Weg nicht mehr dauerhaft abnehmen kann. Mein Stoffwechsel ist durch die vielen Diäten zerstört.“

Passt nicht mehr: Diese Hose trug Jochen Gontermann noch vor einem Jahr. Das kleine Bild entstand wenige Monate vor der Operation. Fotos: Yüce/Brandau

Diese Aufklärung war sehr wichtig, erinnert sich Gontermann undblättert durch ein Fotoalbum mit Bildern aus den Jahren vor 2011. „Mensch, war ich dick“, sagt er plötzlich und deutet auf ein Foto, auf dem er an einem reich gedeckten Tisch sitzt. Auf anderen Fotos prostet er Freunden zu.

„Ich habe in kein Glas gespuckt“, sagt er und lacht. Es ist ein zufriedenes Lachen, in das sich ein wenig Betrübtheit mischt. Die Geselligkeit, die sei verloren gegangen. „Ich habe gut und gerne für Freunde gekocht und war ein großer Weinliebhaber.“ Vor allem säurehaltige Moselweine trank er gerne. Doch den vertrage er nicht mehr.

„Rational war es die beste Entscheidung meines Lebens, weil sie lebensverlängernd ist. Aber wenn ich am Tisch mit Freunden sitze, schaue ich betreten unter mich.“ Er habe viel Lebensqualität gewonnen, aber auch viel verloren.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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