Vor dem Halbfinale: Beim Naumburger Ehepaar Bartsch wird jedes Tor bejubelt

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Die Spannung steigt: Rainer Bartsch und Manuela Schubert-Bartsch drücken beiden Teams die Daumen, da ihr Adoptivsohn Lukas aus Brasilien stammt und das Ehepaar auch Liebhaber und Kenner des aktuellen WM-Gastgeberlandes ist. Foto: Ulbrich

Naumburg/Barras. Wenn sich am heutigen Abend beim Klassiker des Halbfinales der Fußball-Weltmeisterschaft Gastgeber Brasilien und die deutsche Nationalmannschaft gegenüberstehen sollte im gesamten Wolfhager Land klar sein, welcher Mannschaft die Menschen die Daumen drücken.

Eine Ausnahme dürfte das Naumburger Ehepaar Rainer Bartsch und Manuela Schubert-Bartsch bilden: Ihre Liebe gilt nämlich nicht nur dem 20-jährigen Adoptivsohn Lukas, sondern auch dessen Heimatland mit den traumhaften Stränden. Somit ist auch die Fußball-Leidenschaft der Familie sozusagen zweigeteilt.

Begonnen hat das Interesse des Ehepaares zum Land am Zuckerhut durch die Verwandtschaft. So entstand der Kontakt zu einem aus Naumburg stammenden Missionar, der das damals noch unverheiratete Paar nach einem Aufenthalt in Deutschland 1988 zu einem Gegenbesuch nach Brasilien einlud.

Dort untermauerte das Naumburger Paar seine Liebe mit der kirchlichen Hochzeit und etwas später wuchs mit der Liebe zum Gastgeberland der aktuellen WM auch der Wunsch nach einem Adoptivkind. 1994 stieß dann Lukas, der in Barras im Nordosten Brasiliens geboren wurde, zur Familie. Inzwischen ist aus Lukas ein junger Mann geworden, der Maschinenbau studiert.

Den Bezug zu seinem Heimatland hat er aber nie verloren, sagt der 20-Jährige. „Ich habe viele Reisen mit meinen Eltern nach Brasilien unternommen und hautnah erlebt, wie sehr sich die Menschen mit ihrem Team verbunden fühlen und Fußball leben.“ Vater Bartsch hätte sich zwar gewünscht, dass das viele Geld der WM in dringend benötigte soziale Bereiche geflossen wäre - auch er und seine Ehefrau engagieren sich für ein Kindergartengartenprojekt - der Vorfreude auf das heutige Duell tut das aber keinen Abbruch. Denn „bei uns wird jedes Tor bejubelt,“ sagt Manuela und Rainer ergänzt: „Einen wirklichen Verlierer wird es nicht geben.“ Daran ändert die Tatsache, dass Lukas eher den Gastgebern die Daumen drückt und auf ein 3:2-Sieg Brasiliens hofft, auch nichts. Gefeiert wird auf jeden Fall.

Von Nicolai Ulbrich

Quelle: HNA

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