Nur jeder fünfte Azubi und jeder siebte Meister ist eine Frau

Handwerk ist und bleibt eine Männerdomäne

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Michaela Deußen führt seit vier Jahren als Optikermeisterin ihr Geschäft in Ziegenhain. Die 40-Jährige wagte den Schritt in die Selbstständigkeit.

Schwalm-Eder. Das Handwerk im Schwalm-Eder-Kreis wird nach wie vor von Männern dominiert. Dies geht aus Zahlen der Kreishandwerkerschaft hervor. Von 1000 Auszubildenden, die im vergangenen Jahr ihre Lehre begannen, ist nur jede fünfte weiblich.

35 Meisterbriefe vergab die Kreishandwerkerschaft 2013, gerade einmal fünf davon erhielten Frauen. Die Zahlen sind seit Jahren konstant, weiß Wolfgang Scholz, stellvertretender Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft. Den Grund dafür sieht er in der persönlichen Lebensplanung wie Kinderwunsch und den einzelnen Interessen. Scholz vertritt aber die Ansicht, dass sich die festgefügten Rollenbilder verändern.

Die meisten Frauen legen im Frisörhandwerk die Meisterausbildung ab. Zudem sind besonders kreative Berufe wie Tischler und Raumausstatter nachgefragt. Selten erlernen junge Mädchen hingegen das Maurer- und Fleischerhandwerk.

Wolfgang Scholz

Scholz betont dabei: „Eine Frau im Handwerk erstaunt heute keinen mehr.“ Das treffe auch für technische Berufe und Führungspositionen zu. Dieser Trend habe sich seit den 80er- und 90er-Jahren entwickelt. „Frauen gab es im Handwerk schon immer“, sagte Scholz, so wurden und werden Familienbetriebe von Töchtern übernommen oder sie arbeiteten zumindest darin mit.

Die Mehrheit der Frauen wählt dennoch keinen Handwerksberuf. Noch seltener machen sie sich nach dem Erwerb des Meisterbrief selbstständig. „Es ist immer auch eine Frage des beruflichen Ehrgeizes.“ Das Handwerk wirbt für mehr weiblichen Nachwuchs, auch um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken.

Hintergrund

Die Meisterausbildung schließt sich an die Gesellenzeit an. Mittlerweile ist es auch möglich, eine Meisterschule direkt nach der Ausbildung zu besuchen. Je nach Berufsbild dauern die Vorbereitungskurse zur Prüfung im Vollzeitunterricht zwischen drei und 24 Monaten, in Teilzeit bis zu 48 Monate - sie sind nicht mehr zwingend. Die Meisterprüfung umfasst einen theoretischen sowie einen praktischen Teil.

Der Meisterbrief bescheinigt fachliche und kaufmännisch-betriebswirtschaftliche Kenntnisse sowie praktisches Können. In einigen Berufen ist es nur mit Meisterbrief möglich, einen eigenen Betrieb zu gründen und Lehrlinge auszubilden.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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