Handwerk im Schwalm-Eder-Kreis: Berufe vom Aussterben bedroht

+
Zimmermann

Schwalm-Eder. Fliesenleger und Steinmetze könnte es in naher Zukunft im Landkreis nicht mehr geben. Manche Handwerke sterben total aus. „In einigen Berufen sind die Ausbildungszahlen seit Jahren rückläufig.“

Das sagt Wolfgang Scholz, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft.

Immer weniger Auszubildende gibt es auch bei den Zimmerern und Maurern. Insgesamt ist die Zahl der Auszubildenden von 2002 (1466) um 300 auf 1166 in 2009 gesunken. „Wir müssen aber unterscheiden, ob dies politisch gewollt ist oder sich die Bedürfnisse der Menschen geändert haben“, sagt Scholz. Manche Veränderungen ließen sich nicht aufhalten.

Drei Lehrlinge in Steinmetzbetrieben gibt es aktuell im Landkreis. Die Berufsschule ist in Mainz. Deutschlandweit gibt es überhaupt nur noch vier solcher Zentren, sagt Holger Rode, Landesinnungsmeister aus Lohfelden. Wahrscheinlich werde sogar noch eines geschlossen.

„Die Aufträge für Betriebe, die sich auf Grabsteine spezialisiert haben, gehen stark zurück“, bestätigt Markus Buchner, Steinmetzmeister aus Fritzlar. Wegen der veränderten Grabkultur (Urnengräber, Friedwälder) würden immer weniger Grabsteine angefragt. Zudem gebe es Billigimporte aus anderen Ländern. Gegen eine solche gesellschaftliche Entwicklung lasse sich schlecht gegensteuern, sagt Scholz.

Bei den Fliesenlegern hingegen habe die Politik eine Liberalisierung des Marktes gewollt. Diese habe dafür gesorgt, dass der Beruf ausstirbt. Lediglich zwei Azubis gibt es noch.

Nach der neuen Handwerksordnung darf jeder gewerblich Fliesen verlegen. „Auch wenn die Preise gesunken sind, die Qualität der Arbeit ist es auch“, bedauert Scholz. Man dürfe aber nicht vergessen, dass auch ständig neue Berufe hinzukommen. Für Jugendliche sei es wichtig, sich genau zu informieren. (ddd)

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare