Mit einer Halterung darf man das Smartphone benutzen

Mit dem Handy am Steuer: Das ist verboten, das ist erlaubt

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Diese Unsitte greift um sich: Autofahrer sind während der Fahrt mit ihrem Handy beschäftigt, obwohl ein Bußgeld sowie ein Punkt in Flensburg drohen.

Autofahrer, die am Steuer nicht auf ihr Handy verzichten können, gefährden sich und andere. Aber sind Smartphones im Auto wirklich verboten? Nicht in allen Fällen - ein Experte klärt auf. 

Wer mit dem Smartphone am Steuer erwischt wird, dem drohen empfindliche Bußgelder und gegebenenfalls auch Fahrverbot. Doch in welchen Fällen ist die Nutzung des Smartphones beim Autofahren eigentlich erlaubt? Darüber haben wir mit Wolfgang Herda, Verkehrsexperte des ADAC Hessen-Thüringen, gesprochen.

Mit welcher Strafe muss ich rechnen, wenn ich das Smartphone am Steuer benutze?

Wolfgang Herda

Wer mit dem Smartphone am Steuer erwischt wird, muss mit einem Bußgeld von 100 Euro und einem Punkt in Flensburg rechnen. Das sieht der aktuelle Bußgeldkatalog seit Oktober 2017 vor. Kommt es durch die Nutzung des Mobiltelefons zu einer Gefährdung des Straßenverkehrs, werden 150 Euro und zwei Punkte fällig. 

Außerdem muss der Führerschein für einen Monat abgegeben werden. Bei einer Sachbeschädigung beträgt die Strafe gar 200 Euro, zwei Punkte und ebenfalls ein Monat Fahrverbot. Wer auf dem Fahrrad mit Handy erwischt wird, zahlt 55 Euro.

Das Video stammt von Glomex.

Ist es also in keinem Fall erlaubt, das Handy während der Fahrt zu nutzen?

„Es gibt Ausnahmen“, sagt Herda. Wenn das Handy in einer Halterung befestigt und während der Fahrt nicht herausgenommen wird etwa. Als oberstes Gebot gelte aber: „Es ist verboten, das Handy während der Fahrt in die Hand zu nehmen.“ Ebenso ist das Telefonieren untersagt, indem man das Gerät zwischen Kopf und Schulter klemmt, obwohl beide Hände frei sind, da das Handy ja vorher in die Hand genommen werden musste.

Darf ich das Smartphone als Navi benutzen?

Ja, das Smartphone darf als Navigationsgerät im Auto genutzt werden, sagt Herda. Aber eben nur, wenn es in einer Halterung befestigt ist. Diese muss so angebracht werden, dass der Blick nur kurz von der Fahrbahn abgelenkt ist.

Dazu, wie lang eine „kurze Blickzuwendung“ ist, macht der Gesetzgeber keine Angaben.

Wie sieht es mit der Bedienung des Smartphones als Navi während der Fahrt aus?

Auch das ist nicht explizit verboten. Wer etwa eine Route während der Fahrt ändern möchte, kann dies am Smartphone tun, solange es in der Halterung befestigt ist. Erneut gilt: Es ist verboten, das Handy hierzu in die Hand zu nehmen.

Darf ich aufpoppende Nachrichten wegwischen?

Da ein Handy nicht nur Navi ist, sondern vor allem als Kommunikationsgerät dient, kann es immer passieren, dass während der Fahrt plötzlich eine Nachricht aufpoppt und die Sicht auf das Navi teilweise verdeckt. Herda: „Eine Push-Nachricht wegzuwischen, ist nicht verboten.“ Sie zu lesen oder eine Antwort zu verfassen, jedoch schon – auch wenn das Gerät in der Halterung befestigt ist. Dies sei mit einer „kurzen Blickzuwendung“ unmöglich.

Was gilt, wenn der Motor abgeschaltet ist?

Dann dürfen die Geräte ohne Einschränkung verwendet und dafür auch in die Hand genommen werden, sagt Herda. Aber ein Motorabschalten im Sinne des Gesetzes liegt nicht vor, wenn der Motor über die automatische Start-Stopp-Funktion oder – im Fall von Elektrofahrzeugen – der Motor im Stand in den Standby-Modus schaltet.

Ist es erlaubt, während der Fahrt Kopfhörer zu tragen?

Grundsätzlich findet sich in der Straßenverkehrsordnung (StVO) kein expliziter Hinweis darauf, dass es verboten ist, während der Fahrt Kopfhörer zu tragen – weder um Musik zu hören, noch um zu telefonieren. Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass es auch uneingeschränkt erlaubt ist. 

Ausschlaggebend ist der Grad der Ablenkung beziehungsweise die Lautstärke der Musik. Wer Hupsignale oder Martinshorn nicht mehr hört, gefährdet die allgemeine Verkehrssicherheit und muss mit einem Verwarngeld rechnen. Und: Kommt es aufgrund der Ablenkung zu einem Unfall, kann einem an dem Geschehen zumindest eine Teilschuld zugeschrieben werden.

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