Pfadfinder auf den Spuren der Geschichte

Lehrer aus Obermelsungen erforscht Historie jüdischer Familien

Pfadfinder auf den Spuren der Geschichte

Obermelsungen/Gudensberg/Gilserberg. Hans-Peter Klein könnte quer durch Amerika reisen, er müsste nirgendwo ein Hotelzimmer nehmen: Dutzende Menschen in New York, Chicago oder Philadelphia würden sich freuen, wenn er vor ihrer Tür stünde.

Denn all diesen Menschen hat Hans-Peter Klein schon bei Reisen ganz anderer Art zur Seite gestanden bei denen in die Vergangenheit. Der 62-jährige Historiker aus Obermelsungen ist seit mehr als zwei Jahrzehnten Ansprechpartner für die Nachfahren jüdischer Familien, die vor den Schergen des Nationalsozialismus nach Amerika oder nach Israel flohen.

Alles begann, als Klein mit seiner Familie 1986 nach Gudensberg zog, wo sich ein Arbeitskreis für die Renovierung der verfallenen Synagoge stark machte. Klein faszinierte das Thema, er arbeitete sich ein, nahm Kontakt mit Nachfahren jüdischer Familien auf.

Heute ist die sanierte Synagoge längst ein Schmuckstück der Stadt Gudensberg und aus manchen ehemals Fremden, mit denen Klein damals in Verbindung trat, sind über die Jahre weg längst gute Freunde geworden. "Aus diesen Begegnungen sind viele Gespräche und Freundschaften entstanden, die weit übers Thema hinausgehen", sagt der 62-Jährige.

Er ist längst fester Ansprechpartner vieler Amerikaner, die auf Wurzelsuche gehen. Klein stöbert Dokumente und Papiere durch, entdeckt hier eine neue Information, dort ein neues Puzzleteil nicht selten ist es genau das, das noch fehlte, um ein vollständiges Bild einer jüdischen Familie zusammen zu setzen, die von den Nazis auseinander gerissen und getötet wurde.

Mittlerweile hat Hans-Peter Klein viele feste Verbündete in der Region: Thomas Schattner in Wabern, Barbara Greve in Gilserberg, Johannes Grötecke in Bad Wildungen. Sie alle sind begeisterte Spurenleser auf der Fährte der Geschichte.

Heute erhält Hans-Peter Klein den "Obermayer German Jewish History Award", den Deutsch-Jüdischen Geschichtspreis. Vergeben wird er von Juden, die außerhalb Deutschlands leben und deren Angehörige dem Holocaust zum Opfer fielen. Versöhnung hatte viele Facetten. Dies ist nur eine davon. Aber eine, die ganz hell schimmert.

Recherche ist sein Anliegen: Geschichtslehrer Hans-Peter Klein begibt sich oft mit und für die Nachfahren jüdischer Emigranten auf Suche nach deren Wurzeln. 

Von Claudia Brandau

Hintergrund 

Heute ist Gedenktag an Opfer des Holocaust Der 27. Januar ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Das Datum bezieht sich auf den 27. Januar 1945, jenen Tag, an dem die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreite. Der amerikanische Unternehmer Arthur Obermayer hat den Preis, der heute im Berliner Abgeordnetenhaus verliehen wird, vor 14 Jahren ausgelobt. Er wird an Menschen verliehen, die sich für die Bewahrung der deutsch-deutschen Geschichte einsetzen. Neben Klaus-Peter Klein erhält ihn auch Studienrat Johannes Grötecke aus Bad Wildungen. Er unterrichtete viele Jahre an der Homberger THS und ist auch in der Guxhagener Gedenkstätte Breitenau tätig. (bra) www.obermayer.us/award

Quelle: HNA

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