Hauseigentümer öffneten ihre Türen

Fachleute erstellten Stärken-Schwächen-Profil von Wolfhager Immobilien

Wolfhagens Altstadt: Etwa 300 Gebäude gibt es in der Innenstadt zwischen Landgrafenstraße, Ritterstraße, Dellbrückenstraße und Wilhelmstraße. Einige Häuser stehen leer, einige müssten saniert werden. Archivfoto: Norbert Müller

Wolfhagen. Für die Hauseigentümer in Wolfhagens Altstadt, deren Gebäude im vergangenen Jahr von Experten unter die Lupe genommen worden waren, dürfte der 12. September eine gewisse Spannung bringen.

Denn dann erhalten sie das Exposé, das Auskunft gibt über Stärken und Schwächen ihrer Immobilie, über die Beschaffenheit des Bauwerks und das eine energetische Analyse enthält.

Michael Joost fiebert dem Datum ebenfalls entgegen. Der Bauamtsleiter der Stadt möchte mit der Veranstaltung am Freitag das vom Bundesforschungsministerium begleitete Projekt „Lebendige Altstadt“ stärker in die Öffentlichkeit bringen. Weitere Ideen sollen geschmiedet werden zu der Frage, wie der von Leerstand durchsetzte und von Sanierungsstau betroffene Stadtkern für die Zukunft fit gemacht werden kann. Das aus wissenschaftlicher Sicht Spannende ist der Prozess von der Bestandsaufnahme der Altstadtgebäude über die Kommunikation und Einbindung der Hauseigentümer bis hin zur Umsetzung und Gestaltung eines lebendigen historischen Stadtzentrums. „Wolfhagen ist sozusagen das Labor“, sagt Joost, der sich wünscht, den Prozess auf andere historische Städte übertragen zu können, deren Größe und Struktur Wolfhagen gleichen.

Bislang fanden die Gespräche mit den Hauseigentümern im geschützten Raum statt. „Die Leute haben ihre Türen geöffnet und uns ihre Privatsphäre gezeigt“, sagt Joost. Ziel war und ist es, den Bauzustand der 300 Altstadtgebäude zu erfassen. Auch, welche Vorstellungen die Eigentümer zur künftigen Nutzung der Häuser haben, war Thema.

„Teilweise haben wir Illusionen zerstört“, meint Joost. Einige der Interviewten glaubten, Eigentümer einer wertvollen Immobilie zu sein. Sie glaubten, diese im Alter lohnend veräußern und sich vom Geld die Pflege im Seniorenheim leisten zu können. Andere glaubten, die Wohnungen seien leicht zu vermieten. „Doch die Realität ist eine andere.“

Ein Großteil der Altstadtgebäude ist nur äußerlich in einem guten Zustand. Am Wohngefühl, an der sanitären oder energetischen Ausstattung ist in den vergangenen 25 Jahren wenig geschehen. Dabei ist die energetische Gebäudesanierung eines der großen Ziele im Forschungsprojekt. Was von den Idee umgesetzt wird und ob tatsächlich einzelne historische Gebäude zugunsten einer Altstadtaufwertung abgerissen werden, müsse die Politik entscheiden.

Das Team um Bauamtsleiter Joost möchte gerne die Eigentümer von zehn bis 15 Gebäuden dazu bringen, in ihre Immobilien zu investieren. Glücksfall für die Altstadtbewohner ist, dass Wolfhagen noch bis zum Jahr 2017 vom Förderprogramm Aktive Kernbereiche (Städtebauförderung) profitiert. Und das Fördergebiet ist identisch mit jenem Stadtviertel, das derzeit erforscht wird. Wer also Geld in die Hand nimmt, kann auf öffentliche Zuschüsse bauen.

Von Antje Thon

Quelle: HNA

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