Exkursion im Naturschutzgebiet Glockenhorn

Biologe Harald Haag suchte mit Naturfreunden seltene Vogelarten

Wolfhagen. Besser hätte es für die 30 Vogelinteressierten am Sonntagmorgen nicht laufen können. Zwar ist die Temperatur noch unangenehm und ein kühler Wind bläst in die Gesichter. Dennoch bahnen sich 60 Wander- und Winterstiefel ihren Weg durch Acker- und Feldwege.

Das Ziel: die Suche nach heimischen und seltenen Vogelarten im Naturschutzgebiet Glockenborn.

Nur das geschulte Ohr und Auge kann anhand kurzer Stimmsequenzen oder Flugbahnen Vogelarten bestimmen. So wie Diplom-Biologe Harald Haag. „Das ist mir in die Wiege gelegt“, sagt der Biologe, der in einem Landschaftsplanungsbüro arbeitet. „Schon mein Großvater war Ornithologe und hatte zu Hause viele Bücher“, sagt der 49-Jährige. „Ein Vogel-Buch konnte ich schon als Kind auswendig.“

Kurze Stimmsequenzen

Schnell vorbeihuschende Vögel und kurze Stimmsequenzen sind für Anfänger eine absolute Herausforderung. Zum Glück kann Harald Haag helfen. Bereits auf dem Weg zum See kommen den Vogelinteressierten Rohrweihe, Rotmilan oder Wiesenpieper vor die Linse bzw. vor das Spektiv, ein Beobachtungsfernrohr.

Befindet sich auf dem Rückzug: Die Feldlerche. Die intensivierte Landwirtschaft macht ihr das Leben schwer

Dem 49-Jährigen geht es aber noch um mehr als nur Vögel zu beobachten. „Ich möchte das Interesse für die Natur wecken“, sagt Harald Haag. „Aber ich möchte auch zeigen, was wir Menschen verlieren, wenn wir die Natur kaputt machen.“ Alles begann vor 30 Jahren. Während seiner Zivildienstzeit auf der Insel Föhr bot Harald Haag naturkundliche Führungen an. Vogelkundliche Exkursionen macht er seit 15 Jahren.

Harald Haag zeigt auf eine Feder. „Das ist die Feder eines Mäusebussards“, sagt der Biologe. „Dieser wurde vom Fuchs gefressen.“ Das erkenne man daran, dass die Federspitzen ausgefranst sind.

Auch das Wirken der Menschen spiegelt sich in der Natur wider. „Wir haben einen Verlust an Feldlerchen von 60-70 Prozent“, sagt der Biologe. „Und das in nur 50 Jahren.“ Ein Grund sei die Industrialisierung der Landwirtschaft. „Verbraucher schauen nach billigen Lebensmittel“, sagt Harald Haag. „Billige Lebensmittel führen zu einer billigen Produktion - und das bedeutet, dass dies naturunverträglich passiert.“

Eine Überraschung

Auf dem Weg zum See entdecken die Vogelinteressierten mehr oder minder noch eine Bachstelze, Buchfink, Schwalbe und Rohrammer. Die Wolkendecke reist auf und einzelne Sonnenstrahlen wecken die Landschaft auf. Am Wasser wartet auf die Wanderer eine besondere Überraschung. Eine Schafstelze. „Das ist ein Vogel, der nur sehr selten hier bei uns ist“, sagt Harald Haag. „Möglicherweise kommt er aus Italien.“

Genauer gesagt handelt es sich bei dieser seltenen Art um eine Aschkopf-Schafstelze. Sie zeichnet sich durch eine weiße Kehle, einen schwarzen Kopf und einem weißen Strich hinter dem Kopf aus. Darüber hinaus werden Buchwasserläufer, Rot- und Grünschenkel, Waldwasserläufer und eine kanadische Gans entdeckt.

Alle Teilnehmer sind sich einig, dass sie an diesem Tag besonders viele Vögel beobachten konnten. Für diejenigen, die zum ersten Mal an dieser vogelkundlichen Exkursion teilgenommen haben, wird es sicherlich ein nächstes Mal geben. (pju)

Von Johanna Uminski

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © Foto: Uminski

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