Harter Winter für Bienen

+
Imker beobachten derzeit besonders aufmerksam die Bienenkästen in ihren Gärten: Auch für die Bienenvölker von Henning Jeschke ist die asiatische Varroa-Milbe ein großes Problem.

Altenhasungen. Plusgrade. Und kein Schnee in Sicht: Der Winter, der keiner ist, lässt die Imker bangen. „Für die Bienen wäre es besser, wenn sie es im Winter normal kalt hätten“, sagt Henning Jeschke, der eine Bio-Imkerei in Wolfhagen-Altenhasungen betreibt.

Ende April, also viel zu früh, hätten seine Bienen im vergangenen Jahr mit dem Brüten begonnen.

„Außerdem kann sich die Varroa-Milbe durch den milden Winter stark vermehren“, erklärt Jeschke. Die Milbe ist der größte Feind der europäischen Honigbienen. Asiatische Bienen kommen mit dem Parasiten zurecht.

35 Jahre ist es her, dass Wissenschaftler die Milbe, die ganze Bienenvölker hinrafft, aus Asien einschleppten. „Ich bin skeptisch, wie es in diesem Jahr aussieht.“ Das weiß der Imker erst, wenn es wärmer wird und er die Bienenkästen öffnet. Geschwächt seien die etwa 100 Bienenvölker des Altenhasunger Imkers in die Winterruhe gegangen.

Winterschlaf machen die Bienen jedoch nicht, erklärt Jeschke. Sie sind ständig in Bewegung. „Die Bienen überwintern als komplettes Volk.“ 60 000 bis 70 000 Tiere leben jeweils als ein Volk zusammen. „Im Winter sind die Völker immer etwas kleiner. Sobald es kalt wird, zieht sich das Bienenvolk in seinem Stock zu einer Wintertraube zusammen.“ Diese Traube wandert dann durch die Futterwaben des Bienenstocks und nimmt auf diese Art Nahrung aus den Vorräten auf.

Durch das enge Beieinandersein in der Traube hält sich das Bienenvolk den Winter über warm. „Wenn die Bienen am Rand abkühlen, drängen sie nach innen, und Bienen, die längere Zeit im Inneren waren, wandern nach außern“, erklärt der Imker. „Die Königin sitzt in der Mitte und lässt sich versorgen.“

Ganz unbehelligt bleiben die Bienen in ihrem Winterhaus nicht. „Schwarzspechte sind sehr an den Bienen interessiert und hauen auch schon mal Löcher in die Kästen, um sich Bienen herauszupicken.“ Auch Spitzmäuse schlüpfen hin und wieder durch das schmale Flugloch am Bienenhaus, um an den Waben zu fressen. „Das alles sind jedoch natürliche Feinde, die nie für die Existenz der Bienen gefährlich werden“, sagt Jeschke. Im Gegensatz zur Varroa-Milbe. Durch sie sei er gezwungen, den Bestand immer wieder auszugleichen. „Dieser hohe Arbeitsaufwand ist auch ein Grund dafür, dass viele ältere Imker aufgeben.“

Jeschke ist seit 1977 Imker, und er denkt keinesfalls ans Aufhören. „Es ist immer wieder faszinierend.“ Bei der Arbeit müsse man sich mit der ganzen Umwelt auseinandersetzen. Die Umwelt nimmt Einfluss auf das Leben der Bienen – und umgekehrt. „Ohne Bienen könnten die Pflanzen nicht bestäubt werden. Wir hätten viel weniger Nahrungsmittel.“ Dann zitiert Jeschke Albert Einstein, der gesagt haben soll: „Keine Bienen mehr, keine Pflanzen, keine Tiere, keine Menschen mehr.“

Von Claudia Hempel

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare