Hinter 60 Zentimeter dicken Stahltüren lagern 131 geheime Privatschätze und viele Liter Münzgeld

Hartgeld, eimerweise

Füttert die Münzrollmaschine: Bernhard Winter schüttet eimerweise Hartgeld hinein - und der Automat spuckt jede zweite Sekunde eine Geldrolle aus. Fotos: Schleichert

Wolfhagen. In Geld schwimmt man nicht. Bernhard Winter, Herr über den Tresor der Wolfhager Raiffeisenbank, verwandelt täglich literweise Kleingeld in feste Geldrollen.

Der Schreibtisch von Bernhard Winter steht hinter Stahlwänden, die 60 Zentimeter messen und bombensicher sind. Doch was verbirgt sich hinter der schweren Stahltür, die nur zwei Kollegen mithilfe eines persönlichen Passworts öffnen können? Ein Geldsee, in dem man tauchen kann? Schätze, so wertvoll, dass sie den Betrachter blenden?

Nichts dergleichen. Wer den Tresorraum mit Erwartungen an ein Münz-Schwimmbad im Dagobert- Duck-Stil betritt, wird umgehend auf den blau-gestreiften Teppichboden zurückgeholt. „Geldseen kenne ich nur aus dem Comicheft“, lacht Bernhard Winter, als er die schwere Tür aufzieht.

Im großen Tresor klafft Leere. Glatte Stahlfronten, hinter denen sich 131 private Schließfächer verbergen, schweigen. Was befindet sich hinter Fach 58, ein Goldschatz vielleicht, oder ein funkelnder Juwel? Bernhard Winter zuckt mit den Achseln. „Das weiß nur der Kunde selbst“, sagt er. Diskretion ist sein Kapital.

Kein Geräusch, keine Stimmen, kein Vogelgezwitscher dringt in die Stahlzelle im Keller der Bank. Plötzlich durchbricht ein vertrautes Klimpern die Stille. Hartgeld, eimerweise! Bernhard Winter schüttet Eimer, randvoll mit Kleingeld befüllt, in eine wuchtige Geldzählmaschine. Weitere Eimer warten in einer Ecke des Tresors darauf, gezählt und anschließend in buntes Papier gerollt zu werden. Sie stammen aus den Spardosen der Kunden im Wolfhager Land. Banknoten finden sich nur wenige auf dem Schreibtisch des Kassierers, denn den Bargeldverkehr der Banknoten regeln vorwiegend die Automaten, an denen Kunden die Scheine einzahlen oder auszahlen lassen können.

„Geld ist schmutzig.“

Burkhard Winter Hauptkassierer

Plopp. Die Geldrollmaschine spukt 29 bunte Münzrollen pro Minute aus – bis zu 1500 Euro Kleingeld kann sie in einer Minute verpacken. Die sortierten Rollen wandern dann an Geschäftskunden oder die Bundesbank - und ihre Reise durch die Geldbeutel beginnt von Neuem.

„Die Maschinen erleichtern meine Arbeit sehr“, sagt Winter, der seit knapp drei Jahren den Tresorraum betreut. Trotzdem: Die Arbeit mit dem Hartgeld ist ein Knochenjob: „Ich bewege 60 Kilo pro Tag“, schätzt Winter und reibt seinen Rücken. Doch Burkhard Winter liebt den Job, in dem man es genau neben muss. „Es gibt kein Ungefähr“, sagt er, „die Summe muss auf den Cent genau stimmen.“ Wenn Bernhard Winter, der auch den Überweisungsverkehr überwacht, den Tresor betritt, beginnt eine stille Arbeit: Die Zahlen, mit denen er an seinem Schreibtisch jongliert, und er – sie sind unter sich. „Aber zweimal am Tag kommt Besuch“, sagt Winter. Der Kurier. Auch heute stellt dieser den blauen Sicherheitskoffer auf Winters Schreibtisch ab. Sein Inhalt: Banknoten aus einer Außenfiliale. Bernhard Winter ist wieder reicher – um Arbeit.

Im Geld schwimmen? Dafür ist es viel zu schmutzig, meint Bernhard Winter. „Meine Hände sind immer ganz geschwärzt vom Geld.“ Lebendiger Adventskalender Wolfhagen: Basteln und Musizieren, 17 Uhr, Altes Rathaus Bründersen: Basteln, 17.30 Uhr, Treffpunkt vor der Kirche

Von Pia Schleichert

Quelle: HNA

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