Seit Monaten prangen Nazisymbole an einem Wohnhaus am Ortseingang von Rhünda

Hartnäckige Hakenkreuze

Vielbefahrene Straße: Autos und Lastwagen rauschen täglich an dem beschmierten Haus am Ortseingang von Rhünda vorbei – und das seit Monaten. Foto:  Féaux de Lacroix

Rhünda. Sie sind nicht zu übersehen: Mehrere große, schwarze Hakenkreuze sind auf eine Hauswand am Ortseingang von Rhünda geschmiert. Die Bewohner des Hauses müssen den Anblick jeden Tag ertragen – seit Monaten.

Die Täter kamen nachts. Als die Bewohnerin des Hauses eines Morgens im September des vergangenen Jahres aufwachte, entdeckte sie die Schmierereien. „Ich habe geheult“, erzählt sie. „Auf die Tür hatten sie auch eins gesprüht“, sagt sie, „das habe ich weggewischt.“ Nur einzelne schwarze Flecken auf der weißen Haustür sind noch zu erkennen. Die Hakenkreuze auf der Hauswand und auf dem hölzernen Zaun sind hingegen noch deutlich zu sehen, den Bewohnern ist es nicht gelungen, sie zu entfernen.

Wer ihr Haus beschmiert haben könnte, wissen sie nicht. Sie haben zwar gleich nach dem Vorfall Anzeige gegen Unbekannt erstattet, doch die Ermittlungen wurden nach Angaben der Polizei inzwischen eingestellt – ohne Ergebnis. „Die Aufklärungsquote bei solchen Schmierereien ist insgesamt niedrig“, sagt Reinhard Giesa von der Kriminalpolizei in Homberg.

Ermittlungen eingestellt

Ein Dumme-Jungen-Streich sei das nicht, sagt Stephan Bürger, Leiter des Projekts „Gewalt geht nicht“ gegen Rechtsextremismus im Schwalm-Eder-Kreis. „Wer Hakenkreuze in dieser Größe malt, der weiß, was er tut“, sagt er. Allerdings glaubt er nicht, dass die Täter aus Rhünda stammen. Das schließt auch Reinhart Wendel, Ortsvorsteher von Rhünda, aus. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass es jemand von unseren Jugendlichen war“, sagt er. „Wenn da jemand so eine radikale Gesinnung hätte, wäre das längst aufgefallen.“

Er vermutet, dass jemand von außerhalb die Nazisymbole auf das Haus geschmiert hat. Dafür spreche auch, dass das Haus direkt an der Bundesstraße 253 liegt: Dort seien die Täter weitgehend unbeobachtet gewesen und hätten auch leicht wieder in alle Richtungen abhauen können.

Reinhart Wendel hofft, dass es bei diesem einmaligen Vorfall bleibt. „Das ist eine Sauerei“, sagt der Ortsvorsteher, sowas macht man einfach nicht.“

Felsbergs Bürgermeister Volker Steinmetz sieht das genauso. „Ich kann das nicht dulden“, sagt er. Der Bauhof habe den Hausbesitzern angeboten, die Hakenkreuze vorerst unter einer Holzabdeckung zu verstecken. Dies hätten die Hausbesitzer abgelehnt, aber zugesagt, die Hakenkreuze bis zum 8. März selbst zu entfernen.

Nach Angaben von Polizeisprecher Giesa ist es in solchen Fällen Aufgabe des Hauseigentümers, die Schmierereien zu entfernen. Tut er dies nicht, kann die Kommune dies erledigen und dem Eigentümer die Kosten in Rechnung stellen.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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