Darstellerin Katharina Fehr über den Dreh 1942

„Hatte mich in den Regisseur verguckt“

Als die Filmmannschaft aus Dresden in das beschauliche Schwälmer Dorf Schrecksbach kam, begann für Katharina Fehr (rechtes Bild) ein großes Abenteuer. Dieses führte sie auch in Luxushotels und großstädtisches Nachtleben – eine völlig neue Erfahrung für eine junge Frau, die bislang nicht viel mehr als Tradition, Trachten und Feldarbeit kennengelernt hatte.

Die geborene Dippel war 20 Jahre alt, als sie für die Rolle der Brautjungfer vom Regisseur Curt A. Engel ausgewählt wurde. In dem Film ist die heute 87-Jährige vor allem auf dem Kammerwagen (siehe Foto in der Hand) zu sehen, auf dem die Mitgift der Braut transportiert wird.

Bevor es soweit kam, mussten erst die Eltern der Bauerstochter überzeugt werden. Die waren wie viele andere Eltern im Dorf dagegen, dass ihr Kind sich beim Schauspielern vergnügt. An der Front waren die ersten Söhne und Väter gefallen, dass Dorf trug schwarz. Zudem war Heuernte und deshalb jede Arbeitskraft gefragt.

Geld für Feldarbeiter

Erst als die Filmfirma Geld anbot, damit die Familien Arbeiter für die Feldarbeit einstellen konnten, willigten sie ein. Viele mussten dennoch schwarz tragen, dies ist auch im Film sichtbar.

Für drei Wochen richtete sich die Filmcrew in Schrecksbach ein. Einige waren auf den Höfen untergekommen, andere schliefen im Gasthaus. Ein Auge hatte die Brautjungfer auf den Regisseur Engel geworfen. „Das war ein ganz netter Mann – in den hatte ich mich ein bisschen verguckt.“

Aufregend wurde es für die Schwälmerin, als die Innenaufnahmen anstanden. Die wurden im Boehner-Filmstudio in Dresden gedreht. Nicht nur die Darsteller wurden per Zug nach Dresden gebracht, auch Einrichtungsgegenstände wie ein Bauernschrank wurden mitgenommen. Der Aufwand war nötig, weil einige Szenen aufwändig ausgeleuchtet werden mussten: etwa jene, in denen die Braut von der Schneiderin (gespielt von Margarete Peterson) angezogen (geschappelt) wurde.

Ausflug in den Luxus

Katharina Fehr muss auch heute noch lächeln, wenn sie an die vier Wochen in Dresden denkt. „Wir waren in einem super Hotel, man führte uns in die Oper und wir fuhren mit dem Raddampfer auf der Elbe. In dem Moment war der Krieg weit weg.“ Der Luxus war für die Frau vom Dorf irritierend. „Wir durften unsere Schuhe zum Putzen vor die Tür stellen.“

Aber auch für einige Dresdener war der Besuch der Schwälmer exotisch. „Wenn wir platt redeten, gab es komische Blicke.“ Dass man damals für einen Film vor der Kamera stand, der als Propaganda gedacht war, sei niemandem klar gewesen. „Man hat uns dafür missbraucht.“ Die Schwälmerin heiratete später einen Hotelier aus Lohfelden, wo sie bis heute lebt. (bal)

Quelle: HNA

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