Die 21-jährige Elbenbergerin Eva-Maria Kraft schreibt preisgekrönte Kurzgeschichten

Ein Hauch von Kafka

So sehen Sieger aus: Eva-Marie Kraft aus dem Naumburger Stadtteil Elbenberg war gleich bei ihrem ersten Schreibwettbewerb erfolgreich. Sie wird mit einem großen Bücherpaket belohnt. Foto: Laumann

Naumburg. Eva-Maria Kraft grübelt. Sie rückt ihre schwarze Brille zurecht. „Ich glaube, es war irgendwas mit Weinberg und Mühlheim“, sagt die 21-Jährige plötzlich. Genau erinnern kann sie sich an den Satz nicht, der in ihr die Leidenschaft fürs Schreiben entfacht hat.

Damals, als sie 14 war und ihre Schwester Ann-Kathrin (elf) für den Deutschunterricht eine Geschichte schreiben musste. Es gab nur diesen ersten Satz. Kraft schrieb drauf los.

Seit Freitagnachmittag ist eines ihrer Werke sogar preisgekrönt. Sie holte mit der Kurzgeschichte „Die Freiheit ist doch nur ein Kieselstein“ beim Schreibwettbewerb des FiFa-Verlags den ersten Platz in der Altersgruppe ab 18 Jahre.

Eine Lebensaufgabe

„Ich glaube, es ist meine Lebensaufgabe“, sagt sie mit einem Lachen. Das Schreiben? Nein, die Geschichte von damals. Fertig ist sie bis heute nicht. Die Elbenbergerin feilt immer wieder am Text. Mal sind es nur einzelne Worte, die sie verändert. Dreimal war es der ganze Text. Sie hat alles gelöscht, auch den ersten Satz. Derzeit ist sie auf Seite 40 oder 50. Genau weiß die Studentin der evangelischen Theologie in Neuendettelsau das nicht.

„Ich habe schon lange nicht mehr dran gearbeitet.“ Priorität haben Kurzgeschichten. Vor zwei Jahren ist sie auf die kurzen Texte umgestiegen. Kraft wollte etwas zu Ende schreiben. Die Ideen kommen von ganz allein und meistens nach dem Aufstehen. „Ich schalte dann meinen Kopf ab und schreibe einfach“, erklärt sie. Hinterher sei sie selbst oft überrascht, was sie auf Papier gebracht hat. Ihre Freunde sagen, sie würde ein wenig so schreiben wie Franz Kafka. Man verstehe die Texte einfach nicht so ganz.

Ihre Geschichten handeln von inneren Konflikten. Sie sind meistens in der Ich-Form geschrieben, ohne zu viel über den Handelnden preis zu geben. Kraft will, dass sich die Leser ihr eigenes Bild machen. So wie in ihrer preisgekrönten Geschichte: Ein Mädchen ist seit zwei Jahren in einem dunklen Haus eingeschlossen. Sie versteckt sich vor dem Mann, der sie eingesperrt hat. Als er sie findet, schleift er sie in einen Raum. Es ist jener Raum, in dem sich einst ein Ehepaar umgebracht hat.

„Ihr wird klar, dass das Haus ihr Grab sein könnte“, erklärt Kraft. In dem Moment beginnt sie sich zu wehren. Der Mann ist überrumpelt und das Mädchen kann fliehen. „Es geht in der Geschichte um den Kampf gegen die Angst“, sagt die Autorin. Freunden hat die Geschichte gefallen, heute wird sie sie in München zum ersten Mal einen größeren Publikum vorlesen. „Ich bin schon aufgeregt“, sagt sie. Lust an Wettbewerben hat sie dennoch gefunden. Sie will weitermachen. Auch mit ihrer ersten Geschichte. Kraft ist sich sicher: „Sie hat irgendwann ein Ende. Ganz bestimmt.“

Von Anke Laumann

Quelle: HNA

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