Ron Wertheim sucht nach den Wurzeln seiner jüdischen Familie 

Naumburg. Ron Wertheim sitzt locker auf dem Stuhl im Naumburger Rathaus. Er ist gut vorbereitet. Auf dem Tisch vor sich hat er Zettel mit Daten ausgebreitet. Der 75-jährige Jude ist zusammen mit seine Frau Bonnie Wertheim auf den Spuren seiner Vergangenheit unterwegs.

„Ich wollte viele Jahre lang wissen, woher meine Familie kommt. Es ist ein gutes Gefühl, das jetzt zu tun“, sagt Ron Wertheim, der aus Florida angereist ist, um das Haus seiner Großeltern Isaak und Frieda Wertheim in Naumburg zu sehen. „Ich bin ganz begeistert von dem Mann“, sagt Bürgermeister Stefan Hable.

Kontakt durch Stolperstein

Der Kontakt nach Naumburg sei über die Aktion Stolpersteine zustande gekommen. Zwei Stolpersteine sollen für Isaak und Frieda Wertheim vor deren ehemaligen Haus verlegt werden. „Wir fragen die Nachfahren, ob das okay ist“, sagt Christa Meuser von der Initiative Stolpersteine in Naumburg. In einem Gespräch mit Christa Meuser hatte Ron Wertheim sein Einverständnis gegeben. Außerdem hatte der 75-Jährige aus Florida am Telefon seinen Besuch für den 17. Oktober angekündigt. „Das war vor etwa einen halben Jahr“, sagt Meuser.

Bei der Führung durch Naumburg möchte der Senior neben dem Haus seiner Großeltern auch die Synagoge und den jüdischen Friedhof sehen. Die Mitglieder der Initiative Stolpersteine und des Geschichtsvereins begleiten Wertheim durch die Stadt. Sie zeigen ihm die Orte und erzählen aus ihrer Geschichte. Auch ein Buch über Naumburgs Geschichte haben sie ihm mitgebracht.

Viele Fragen

Ron Wertheim hat viele Fragen, die ihm meist Michaela Viereckt beantwortet. Ihr Großvater Heinrich Bock war mit Isaak Wertheim befreundet. Der hatte Wertheim auf eine Bitte hin das Haus abgekauft. Das war kurz bevor das Ehepaar Wertheim im Jahr 1941 nach Riga deportiert und 1944 in Auschwitz ermordet wurde. Von ihren sechs Kindern starb eine Tochter. Der Rest der Familie gelang die Flucht in die USA. Heute ist das Haus, in dem Ron Wertheims Großeltern lebten, in fünf Mietwohnungen aufgeteilt.

Mit einem Foto aus vergangener Zeit: Ron und Bonnie Wertheim (vorn). Robert Welch, Claudia Thöne, Christa Meuser, Michaela Viereckt, Helmut Viereckt, Emmie Ohle, Heinz Ewald und Tasso Minkner (von links) zeigen dem Ehepaar das frühere Haus von Ron Wertheims Großeltern Isaak und Frieda Wertheim, die im Zweiten Weltkrieg in Auschwitz ermordet wurden. Foto: Dräger

„Es ist sehr emotional. Alles hat sich verändert“, sagt der Besucher aus Florida mit ruhiger Stimme. Er steht vor dem Haus Altenhagen. Während der Zeit, in der seine Großeltern in dem Haus lebten, hatte es im oberen Stock noch Zimmer, die zum Himmel hin offen waren, gegeben. Die Zimmer wurden von Blättern überragt. Dort wurde einmal im Jahr das Laubhüttenfest gefeiert. Seine Frau Bonnie weicht bei dem Rundgang nicht von seiner Seite. „Für mich ist die Vergangenheit meines Mannes sehr interessant“, sagt Bonnie Wertheim.

Von den Stolpersteinen, die für Isaak und Frieda Wertheim vor dem Haus verlegt werden sollen, ist der 75-Jährige begeistert. Einen Papierausdruck, auf dem zu sehen ist, wie die Gedenktafel aussehen soll, hat er mitgenommen.

Von Magdalena Dräger

Quelle: HNA

Rubriklistenbild: © HNA/Dräger

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