Eine Familienangelegenheit:

Rein ökologisch: Ein Fachwerkhaus in Uttershausen wird mit Lehm renoviert

+
Der Pflege des Ehrwürdigen verschrieben: Christian Tolloch restauriert mit seiner Familie ein altes Fachwerkhaus in Uttershausen. Es werden nur ökologische Materialien verwendet.

Uttershausen. Es wird gesägt, gestrichen und Lehm aufgebracht: Langsam nimmt das 1820 erbaute denkmalgeschützte Fachwerkhaus der Familien Heil und Tolloch in Uttershausen neue Formen an. Und dies nicht etwa mit Styropor oder Plastik, sondern nach rein ökologischem Prinzip.

Dies bedeutet, dass nur recyclebare Materialien verwendet werden. „Schimmelbildung ist heutzutage ein großes Problem. Die Verwendung von Lehm wirkt ihr entgegen, da er schnell Feuchtigkeit aufnimmt, aber langsam abgibt“, erläutert Lothar Heil, der als Stuckateurmeister bereits vor 15 Jahren begann, wieder Lehm beim Bau zu benutzen. Dies gebe den Räumen ein besseres und vor allem gesünderes Klima.

Die Renovierung läuft nun seit sieben Wochen. Die Anfänge waren gar nicht so einfach. Zahlreiche Vormieter hatten Gegenstände, die sie nicht mehr brauchten, auf dem Dachboden und im Keller gelagert. „Wir haben 3,5 Tonnen Müll entfernt, bevor wir beginnen konnten, Tapeten, Gips und Kalk von der Wand zu schlagen“, sagt Christian Tolloch, der zusammen mit seiner Freundin Marie Theres Heil die obere Etage beziehen wird. 15 Kubikmeter Bauschrott kamen insgesamt zusammen. Danach konnten die 15 Tonnen Lehm zwischen die Stein- und Holzschicht der Wand verarbeitet werden, was eine optimale Isolierung gewährleistet.

Weitere Vorteile des Hauses, das die Familien gemeinsam ausgesucht haben, sind die 2,60 Meter hohen Decken und die zwei großen Balken, welche die einzigen tragenden Stützen des Hauses darstellen. So können fast beliebig Wände entfernt oder neue hineingezogen werden.

Dabei sind beide Familien bemüht, den Charme des alten Hauses nicht zu zerstören. „Wir haben eine neue Wand gestellt, diese war aber zu gerade und hat nicht zum Rest des Zimmers gepasst. Also haben wir sie schief eingezogen“, sagt Lothar Heil. Das Amt für Denkmalschutz hat bei der Auswahl der Fenster beraten. „Damit keine unpassenden Teile dem Haus weh tun“, erläutert Heil. Geplant ist, die Renovierung des kompletten Innenbereiches in acht Wochen abzuschließen. Die Kostenkalkulation von 50 000 Euro gehe dabei genau auf. Hilfe erhalten die Familien von Freunden, aber auch von Firmen aus dem Kreis wie einem Schreiner und Zimmermann.

Beim Bau sei die Logistik am wichtigsten, deshalb haben die Hausherren das Ritual entwickelt, sich jeden Abend zusammenzusetzen und zu besprechen, was am nächsten Tag an Material benötigt wird. „So muss niemand wegen Kleinigkeiten wegfahren und kostbare Zeit wird gespart“, so Tolloch. Die grobe Renovierung sei nun geschafft, auch Dank des guten Wetters konnte der Lehm perfekt trocknen. Jetzt stehe der Feinschliff an, also die Elektrik und die Einfassung von Türen und Böden. Außerdem werden die Wände mit Lehmfarbe gestrichen, natürlich rein ökologisch.

Von Leona Nieswandt

Quelle: HNA

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare