Bundesweit erstes Energiespeicher-Gebäude in Körle ist fertig – Besichtigung möglich

Hausgemachter Strom

Sonne sorgt für Strom: Auf dem Dach des Energiespeicherhauses wurde eine 8-kWp-Fotovoltaikanlage installiert. Bauherr Helmar Vaupel wird mit seiner Familie in vier Jahren in das Haus einziehen, bis dahin wird es als Musterhaus genutzt. Fotos: Féaux de Lacroix

Körle. Ein Haus, das mehr Energie produziert als verbraucht – das ist angesichts steigender Strom- und Heizölpreise eine traumhafte Vorstellung. In Körle steht ein solches Gebäude. Es trägt den Namen „IQ++Energiespeicherhaus“, wurde vom Baunataler IfU-Institut für Umweltenergie entwickelt und ist das erste seiner Art in Deutschland.

Bewohnt ist das Gebäude derzeit noch nicht: Noch nutzt das IfU-Institut es als Musterhaus. Interessierte können sich dort ansehen, wie ein Energiespeicherhaus funktioniert, und es wird getestet, wie viel Energie das Haus erzeugt und verbraucht.

In vier Jahren wird dann Bauherr Helmar Vaupel mit seiner Familie in das Energiespeicherhaus mit einer Wohnfläche von 157 Quadratmetern einziehen. Er freut sich schon jetzt darauf: „Das Schöne ist das Raumklima dort“, sagt der 50-Jährige. Denn die Wände des Hauses, die aus Kalksandstein bestehen, nehmen die Feuchtigkeit in den Räumen auf und geben sie gleichmäßig wieder ab.

„An heißen Tagen bleibt es angenehm kühl“, bestätigt Torsten Waskow, Vorstandsmitglied des IfU-Instituts. Das liege außerdem an der Luft-Wasser-Wärmepumpe, die im Sommer kühles Wasser durch die Rohre in den Wänden schickt.

55 000 Euro sparen

Gleichzeitig funktionieren Wände, Decken und Boden als thermischer Speicher, erklärt Waskow: „Im Winter, als wir draußen Minusgrade hatten, haben wir mal eine Woche lang die Heizung ausgestellt. Erst nach zweieinhalb Tagen hat das Haus angefangen, Energie zu verlieren.“ Man könne also auch im Winter mal die Heizung auslassen, ohne gleich zu frieren.

Zwar koste das Energiesparhaus mit 284 000 Euro etwa 30 000 Euro mehr als ein Gebäude in konventioneller Bauweise. „Aber in 20 Jahren spart man 55 000 Euro Stromkosten“, sagt Torsten Waskow. Für Heizung, Warmwasser, Lüftung und Haushaltsstrom fielen nur 50 Euro im Monat an. Dank der Photovoltaikanlage auf dem Dach produziert das Haus selbst Strom: „An einem sonnigen Tag bis zu 55 Kilowattstunden, wenn es bewölkt ist etwa 20“, sagt Waskow. Das sei um ein Vielfaches mehr, als die Hausbewohner an Strom verbrauchen. Den Überschuss kann man ins Netz einspeisen.

Helmar Vaupel hatte das Grundstück in der Körler Straße Unter den Pappeln 2007 gekauft. „Es war immer mein Traum, selbst zu bauen“, erzählt er. Dann las er in der Zeitung, dass das IfU-Institut einen Bauherren für ein Energiespeicherhaus suchte. „Das Konzept hat mich überzeugt“, sagt Vaupel. Der Grundstein wurde im April 2011 gelegt, etwa ein Jahr später war der Bau fertig. Nur einige Arbeiten am Außengelände – an Terrasse und Wegen – stehen noch aus. Seine Entscheidung für das Energiespeicherhaus hat Vaupel bis jetzt nicht bereut. „Ich bin froh, dass ich es gemacht habe.“ • Hausbesichtigung: Wer sich das Energiespeicherhaus in Körle genauer ansehen möchte, kann unter Tel. 0561/9358911 einen Termin vereinbaren.

Von Judith Féaux de Lacroix

Quelle: HNA

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