Ein Tag mit den Hebammen des Asklepios-Klinikums in Schwalmstadt

Ein Bändchen für Arm und Fuß: Irina Kröning, (links) Anerkennungspraktikantin auf der Geburtsstation, zieht Perlen auf für das Namensbändchen für ein Neugeborenes. Das Kind heißt Johanna. Hebamme Nadine Wunderwald (rechts) überprüft die Kardiotokografie (CTG), auf der die Herzschlagfrequenz eines ungeborenen Kindes aufgezeichnet wurde. Fotos: Nickoll

Ziegenhain. Es ist laut an diesem Vormittag auf der Geburtsstation des Asklepios Klinikums in Schwalmstadt. Eine Frau liegt in den Wehen, immer wieder dringen lautes Keuchen und Stöhnen aus dem Kreißsaal nach draußen. Sie gehen durch Mark und Bein. Nadine Wunderwald spricht, als ob Sie gar nichts hören würde:

„Es stört mich nicht, Ich freue mich nur, wenn das Kind kommt“, sagt die 37-jährige Hebamme des Schwalmstädter Klinikums.

Sie arbeitet da, wo neues Leben beginnt: Im Kreißsaal im 2. Stock der Geburtsstation des Krankenhauses in Ziegenhain. Sie befinden sich am Beginn des Stationsflurs, der geschmückt ist von Kinderfotos. Nadine Wunderwald öffnet die breite Tür des Kreißsaals. Helle, warme Farben dominieren den Raum mit großen Fenstern, die Wände sind Terracotta-Tönen gestrichen.

Über dem Bett hängen dicke bunte Tücher von der Decke. „Daran können sich Frauen festhalten, um besser pressen zu können“, erklärt die Hebamme. Zwischen den beiden Entbindungsräumen befindet sich die Geburts-Badewanne. Frauen, die darin liegen, blicken auf ein Landschaftspanorama.

Neben das Bett im Kreißsaal stellt Sie zusammen mit Praktikantin Irina Kröning weitere Dinge, die Schwangere bei der Geburt unterstützen sollen: Ein türkisfarbener Gymnastikball und ein kleiner Hocker aus Holz. Unter den Hocker wird eine Matte gelegt, die Hebamme legt sich dann neben den Hocker. Das passt zur Bedeutung des althochdeutschen Wortes Hebamme, das übersetzt die „Großmutter, die das Neugeborene aufhebt“ heißt. Irina Kröning macht ein halbjähriges Anerkennungspraktikum, damit sie in Deutschland ihre Beruf ausüben kann. Ausgebildet wurde sie in Russland. „Wir sind vielsprachige Hebammen, das hilft uns oft weiter. Russisch musste ich schon mehrmals sprechen.“

Sitzend, kniend, stehend, liegend, mit einem Bein in der Luft: Den Arten, sein Kind auf die Welt zu bringen, scheinen keine Grenzen gesetzt. „Möglich ist alles außer Kopfstand“, sagt Nadine Wunderwald und lacht.

Voller Körpereinsatz 

Die Arbeit erfordert den vollen Körpereinsatz der Hebammen, das geht in die Bandscheiben. „Ich selbst bin 30 Jahre dabei und hatte auch schon zwei Bandscheibenvorfälle“, erinnert sich die leitende Hebamme der Geburtsstation, Ramona Naumann. Doch es sei auszuhalten. Rückenschmerzen nehme sie gern in Kauf, sagt Nadine Wunderwald. „Spaß macht es mir, weil ich morgens nie weiß, was tagsüber passiert.“

Immer wieder bleibt die zweifache Mutter stehen, grüßt Kolleginnen, unterhält sich. Eine Frau überreicht ihr Pralinen im Namen einer frisch gebackenen Mutter. „Es ist ein familiäres Arbeiten hier, das gefällt mir.“

Doch langweilig wird den Hebammen auch an Vormittagen wie diesem nicht, wo die werdende Mutter im Kreißsaal ihre eigene freiberufliche Hebamme mitgebracht hat, nicht. „Man schaut im Kreißsaal, ob die Geräte in Ordnung sind, in die Schränke, ob alles da ist, bevor der Ansturm kommt“, sagt Nadine Wunderwald. Es gibt Sprechstunden für Schwangere und Kreißsaalbesichtigungen. Oder sie helfen auf der Mutter- und Kindstation mit beim Wiegen und Wickeln.

Natürlich gehört auch der Papierkram dazu: „Die Arbeit fängt für uns nach der Geburt an.“ Alles, von der Ankunft der Schwangeren bis zur Geburt, muss genau protokolliert werden.

Von Nina Nickoll

Quelle: HNA

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