Hebammen sehen ihren Beruf in Gefahr

Im Kreißsaal: Unser Archivbild entstand im Fritzlarer Krankenhaus, links im Bild Hebamme Elli Wackerbarth. Archivfoto: Dellit

Fritzlar. In der Debatte um die Haftpflichtversicherungen für Hebammen geht es nicht ausschließlich um Hausgeburten, sondern um das gesamte freiberufliche Angebot der Vor- und Nachsorge. Mit diesem Statement schalten sich drei Fritzlarer Hebammen in die Diskussion ein.

Der Fokus auf Hausgeburten in Pressemitteilungen und Leserbriefen sei nicht richtig, schreiben die Hebammen Antonette Bongartz, Elke Pfaff und Elli Wackerbarth.

Versicherungen laufen aus

Vielmehr sei die gesamte Begleitung von Schwangeren und Familien gefährdet, vom Beginn der Schwangerschaft an über Geburt sowie die Nachsorge der Familie zuhause bis zum Ende des 1. Lebensjahres des Kindes.

Hintergrund ist der eklatante Anstieg der Berufshaftpflichtversicherung. Waren es laut den Hebammen im Jahr 2009 noch jährlich 2370 Euro, so seien es inzwischen 4242 Euro. Die Ursache seien gestiegene Pflegekosten bei Personenschäden, nicht aber ein Ansteigen der Fälle selbst.

Die Hebammen zitieren eine Untersuchung, wonach im Jahr 1998 die Krankenkassen noch 340 000 Euro für ein bei der Geburt schwerstgeschädigtes Kind veranschlagten. Heute werde mit 2,88 Millionen Euro gerechnet.

Die Gruppenhaftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen werde dieses Jahr noch auf 5090 Euro steigen und zum 1. Juli 2015 gekündigt. Nicht betroffen seien davon in Krankenhäusern fest angestellte Hebammen, wie etwa in Ziegenhain, sagte Elli Wackerbarth (Geismar).

Im Hospital zum Heiligen Geist in Fritzlar hingegen arbeiteten ausschließlich Beleghebammen, also Freiberuflerinnen.

Elli Wackerbarth und ihre Kolleginnen erhoffen sich bald ein politisches Signal. Am Freitag beriet der Bundesrat über das Thema. Sollte sich am aktuellen Zustand nichts ändern, sieht die Hebamme schwarz für ihren Berufsstand: „Wir könnten unter diesen Bedingungen gar nicht mehr arbeiten.“

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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