Existenznot: Hebammen bieten im Landkreis keine Hausgeburten mehr an

Schwalm-Eder-Kreis. Die Krankenkassen brüsten sich derzeit damit, die Beitragssteigerung der Berufshaftpflichtversicherungen für Hebammen zu übernehmen. Hausgeburten wird es dennoch keine mehr geben.

„Das ist der Hohn“, sagt Susanna Ziegler, Kreisvorsitzende des Hebammenverbandes aus Knüllwald. Im Landkreis und den angrenzenden Kreisen gebe es schon seit zwei Jahren keine Hausgeburten mehr. Trotz der Übernahme werde es auch künftig keine mehr geben.

Um etwa 70 Euro wurde die Gebühr für eine Hausgeburt angehoben. Damit sollte die Steigerung der Versicherungsprämie für Hebammen zum Juli von 3700 auf 4250 Euro ausgeglichen werden. Den Todesstoß für Hausgeburten habe es indes schon 2010 gegeben. Damals seien die Prämien von 2370 auf 3700 Euro gestiegen, sagt Ziegler.

Die Realität sehe so aus: Viele Hebammenpraxen seien in Existenznot und Eltern müssten auf häusliche Geburten verzichten. „Ich weiß von einem Paar aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg, dass eine Hebamme nördlich von Hannover gefunden hat, mit der sie zu Hause entbinden können“, sagt Ziegler. Geburten seien nur noch in den Kliniken in Fritzlar, Hersfeld, Schwalmstadt und Kassel möglich. Für einen Termin im Kasseler Geburtshaus melde man sich besser schon vor der Schwangerschaft an. Auch das Kasseler Heilhaus habe jüngst sein Geburtsangebot eingestellt, sagt sie.

„Mit der Übernahme der Haftpflichtprämie verdienen die Hebammen keinen Cent mehr“, sagt Dr. Edith Wolber, Sprecherin des Deutschen Hebammenverbandes. Die Krankenkassen weigerten sich die Leistungen angemessen zu honorieren. „Gleichzeitig treiben sie mit ihren überzogenen Regressforderungen aber die Haftpflichtprämien ins Uferlose“, kritisiert sie. In Österreich lägen die Haftpflichtsätze bei etwa 100 Euro. Der Grund: Es gebe viel weniger Regress-Klagen, sagt Edith Wolber.

Von Damai D. Dewert

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Quelle: HNA

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