Deeqo Mohammed Amin aus Somalia lebt mit ihrer Familie im Asylbewerberheim

Heiligabend in der Fremde

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Somalische Familie: Deeqo Mohammed Amin mit ihren Söhnen Shafici Siidoow Garoon (drei Wochen) und Mohammed Siidoow Garoon (1), der sich an einem Schokoweihnachtsmann zu schaffen macht.

Treysa. Sofort macht sich der 19 Monate alte Mohammed Siidoow Garoon über den mitgebrachten Schokoladenweihnachtsmann her. Das bunte Knisterpapier hält er in der einen, mit der andere Hand schiebt der somalische Junge die Süßigkeit in den Mund.

Er lebt mit seiner vierköpfigen Familie auf zwölf Quadratmetern in der Gemeinschaftsunterkunft für Flüchtlinge in Treysa.

Das Zimmer erstrahlt nicht in weihnachtlichem Glanz, denn die 26-jährige Mutter Deeqo Mohammed Amin ist Muslima. Dennoch spürt sie den Geist der Weihnacht in unserem Land, das 9000 Kilometer von ihrer Heimat entfernt liegt. Der Heiligabend ist für die Asylsuchenden ein Tag wie jeder andere auch – schlafen, die Kinder versorgen, essen, fernsehen, warten.

Doch wie geht die junge Mutter mit dem weihnachtlichen Überfluss um, der ihr in jedem Supermarkt, jedem Geschäft entgegenkommt, wo sie doch selbst kaum mehr besitzt, als das, was sie am Leib trägt? Die 26-Jährige beschreibt die Unterkunft wie einen eigenen Kosmos, abgeschottet von der Gesellschaft. Meistens gehen die Männer einkaufen, die Frauen bleiben mit den Kindern zu Hause. So bleibt sie fern vom adventlichen Konsum.

Deeqo Mohammed Amin kam vor zwei Jahren mit ihrem Mann aus der hart umkämpften somalischen Hauptstadt Mogadischu nach Deutschland. In der Heimat fürchtete sie um ihr Leben. „Ich konnte nicht auf die Straße gehen“, erzählt sie. Die islamistische Al Shabaab kontrolliert die Stadt. Der Vater kam im Bürgerkrieg um, ihre Mutter verkaufte das Haus, um der Tochter die Flucht zu ermöglichen.

Die Flucht führte das Paar mit dem Bus nach Libyen. „Von dort fuhren wir neun Tage lang mit dem Boot nach Malta.“ Diese Boote kennt man hauptsächlich aus dem Fernsehen – mit 200 Personen besetzt schipperte der Fischerkahn durch die Fluten des Mittelmeers. „Ich hatte große Angst“, erzählte Deeqo Mohammed Amin. In Europa angekommen, ging es in ein Auffanglager und später nach Schwalmstadt.

Zwei Kinder brachte die Somalierin hier zur Welt. Den Flüchtlingen steht ein dreimonatiger Deutschkurs zu. Geblieben ist davon „Guten Tag“, weil sie die Sprache kaum benutzt. „Ich würde gern besser Deutsch lernen.“ In Somalia genoss sie kein Schulbildung, verkaufte Holzkohle an einem kleinen Stand.

Ein Leben wie sie im Asylbewerberheim führt, wünscht sie keinem: „Doch wir sind in Sicherheit, das ist das Wichtigste.“ Die Mitglieder des Arbeitskreises für Toleranz und Menschenwürde unterstützen die Bewohner sehr, so die junge Somalierin.

Ob Deeqo Mohammed Amin und ihre Familie in Deutschland bleiben dürfen, ist noch unklar. Die Genehmigungsverfahren ziehen sich nicht selten über Jahre hin. Wie es in Zukunft weitergehen soll, weiß die Mutter nicht. Ihr Traum ist, dass die ganze Familie einmal glücklich im eigenen Haus lebt.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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