Vorträge des Bruno Gröning-Freundeskreises

Kirchenvertreter warnen: Heilung mit Fragezeichen

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Wurde als „Wunderdoktor“ berühmt: Die undatierte Aufnahme zeigt Bruno Gröning, wie er Anhänger um sich schart. Der „Wunderheiler“ starb 1959 an Krebs.

Treysa. Kreislaufbeschwerden, Rückenschmerzen, ein Bandscheibenvorfall: Marliesel Heußner aus Treysa ist sich sicher, dass Bruno Gröning sie von all diesen Leiden befreit hat.

„Ich war kaputt“, erinnert sich die 69-Jährige an eine lange Leidenszeit, die im November 1998 endete. Eine Freundin nahm sie damals mit zu einem „Informationsvortrag“ des Bruno-Gröning-Freundeskreises.

Dort erfuhr sie von der Kraft des sogenannten Wunderheilers, von Hilfe und Heilung auf geistigem Weg. Im Jahr darauf, berichtet die Treysaerin, habe sie sieben Heilungen erfahren, die all ihre Krankheiten verschwinden ließen. Allein durch Beten und Bitten, durch gute Gedanken und gutes Tun, durch das Öffnen der Hände, um den „göttlichen Heilstrom“ zu empfangen, sagt sie. Nicht nur ihr persönliches Wunder, sondern 30 000 Heilungen weltweit seien dokumentiert, bis hin zu Krebserkrankungen.

Nun ist Bruno Gröning bereits 1959 gestorben. Als Wunderheiler machte er Schlagzeilen, weil er von Ärzten aufgegebene Patienten heilte. Lahme gehen, Blinde sehen, hieß es. Das Credo Grönings: „Es gibt kein Unheilbar – Gott ist der größte Arzt.“

Das Erbe Grönings bewahrt ein nach ihm benannter Freundeskreis, der 1979 gegründet wurde. Seitdem ist immer wieder an vielen Orten in ganz Deutschland der Dokumentarfilm „Das Phänomen Bruno Gröning“ zu sehen und Vorträge zu hören. Zwei dieser Informationsveranstaltungen gibt es am Samstag in Treysa und Homberg.

„Medizinisch geprüfte Heilungen“, „auf der Basis von medizinischen Befunden unabhängiger Ärzte belegt und dokumentiert“, das verspricht der Freundeskreis für die Vorträge.

Der Kern der angeblichen Heilungen sei der „göttliche Heilstrom“, der Krankheiten wie Ängste, Depressionen, Allergien und Süchte heilen könne. Und: Eine Ärztin namens Dr. med. C. Frehse erläutere die Aufnahme der Heilkraft, bei freiem Eintritt.

Okkult-magisches Weltbild

Die Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck sieht den Freundeskreis kritisch. Der behauptete wissenschaftliche Nachweis der Wirkung des „Heilstroms“ werde stark angezweifelt, der Freundeskreis vertrete ein okkult-magisches Weltbild, sagt Pfarrer Oliver Koch, Beauftragter für Sekten und Weltanschauungsfragen. Außerdem gebe sich die Gruppe „einen pseudo-wissenschaftlichen Anstrich“. So sieht es auch die Landesärztekammer Hessen.

Dagmar Denker, Beauftragte für Sekten- und Weltanschungsfragen beim Bistum Fulda, schätzt es ähnlich ein. Die Lehre des Bruno Gröning-Freundeskreises sei aus christlicher Sicht eine eindeutig esoterische Weltanschauung und nicht vereinbar mit dem christlichen Gottes- und Menschenbild. Die Frage nach Heil und Erlösung werde reduziert auf die Frage nach Krankheit und Gesundheit.

Sollte eine erbetene Heilung ausbleiben, sei der Grund dafür ausschließlich im kranken Menschen selbst zu suchen, der das Wirken des göttlichen Heilstroms verhindere. „Damit ist jeder Mensch also selbst für seine Krankheit und eine ausbleibende Heilung verantwortlich“, sagt Denker.

Ihr Fazit: „Problematisch ist die Tatsache, dass Menschen, die selbst mit Krankheit zu kämpfen haben, in solchen Heilsversprechen Hoffnung schöpfen.“ Solche Betroffenen würden sich dann häufig aus dem gewohnten sozialen Umfeld zurückziehen – und auf schulmedizinische Hilfe verzichten.

• Freundeskreis-Vorträge: Samstag: Treysa, 15 Uhr, Haus für Gemeinschaftspflege, Homberg, 19 Uhr, Stadthalle.

• Dokumentarfilm: Treysa, Haus für Gemeinschaftspflege, 2. und 30. Mai, 11 Uhr.

Quelle: HNA

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