Wolfhager Kolonien wurden von Landgraf Friedrich II. gegründet - Versorgung der Bevölkerung

Die Heimat der Tüchtigen

Eine von Dreien: Philippinenburg gehört zu den Wolfhager Kolonien, die im Jahr 1778 gegründet wurden. Im gleichen Jahr wurden auch Philippinenthal und Philippinenburg errichtet. Fotos:  Norbert Müller

Wolfhagen. Welche Stadt kann schon von sich behaupten, Kolonien zu besitzen? Wolfhagen hat deren drei. Keine Flächen in Übersee, sondern kleine Ortsteile.

Philippinenburg und Philippinenthal liegen östlich von Wolfhagen am Fuße des Helfenbergs. Gemeinsam mit dem nordwestlich in unmitelbarer Nachbarschaft der früheren Pommernkaserne gelegene Philippinendorf sind sie Gründungen des Landgrafen Friedrich II. von Hessen (1720-1785) und heute Stadtteile von Wolfhagen.

Nach dem Siebenjährigen Krieg (1756-1763) ließ Landgraf Friedrich II. zur besseren Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln zahlreiche neue Dörfer gründen. Dazu gehörten auch Philippinendorf, -thal und -burg, benannt nach seiner zweiten Frau Philippine von Preußen.

Der Landgraf ließ dazu Ländereien ankaufen für jeweils zehn Hofstellen je Siedlung. Nach Bekanntwerden des Vorhabens meldeten sich viele Bewerber. Sie wurden ausgewählt nach Tüchtigkeit, Ruf und Vermögen. Danach wurden die Grundstücke unter den neuen Siedlern (Kolonisten) verlost, von denen einige aus der benachbarten Grafschaft Waldeck kamen, aber auch aus dem Gebiet um Darmstadt und Dieburg.

Einheitlicher Bauplan

Nach einheitlichem Bauplan entstanden 1778 in Philippinendorf zehn Häuser und Philippinenburg und Philippinenthal jeweils neun. Sie wurden alle entlang der Straße errichtet und waren 18 mal 13 Meter groß. In der linken Haushälfte war der Wohnteil mit Flur, Stube, Küche und Schlafkammer. Unter dem gleichen Dach in der rechten Haushälfte stand das Vieh in den Ställen.

Fränkisches Haus

Zwischen beiden Teilen lag hinter dem großen Tor die Tenne. Über den Ställen, der Tenne und den Wohnräumen war ein Zwischengeschoss eingezogen auf dem sich der Futterboden befand. Dieser als fränkisches Haus bezeichnete Gebäudetyp ist heute im Original nicht mehr vorhanden.

500 Taler als Geschenk

Alle Häuser hatten auf der Rückseite einen Garten. Zur Hofstelle gehörte außerdem Acker- und Weideland. Jeder Hausbesitzer erhielt 500 Taler geschenkt für den Hausbau und - wenn benötigt - weitere 100 Taler als Darlehen zum Ankauf von Vieh und Saatgut.

Die Kolonisten waren für drei Jahre von Abgaben sowie von zivilen und militärischen Diensten befreit. Noch heute leben Nachfahren der Kolonisten in den Siedlungen. (nom)

Quelle: HNA

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