Thema Spurensuche: Historisches Nonnenhaus wird digitalisiert

Heimatmuseum in Homberg zeigt Küche wie aus dem Mittelalter

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So sahen einige Küchen im Mittelalter aus: Tobias Vogtmann (von links), Karl-Otto Schmitt, Lydia Köhler, Marlene Clobes, Ursula und Alois Jacob präsentieren die alten Utensilien. 

Homberg. Am 21. Mai ist der Internationale Museumstag. Das Homberger Heimatmuseum öffnet dann seine Türen und zeigt unter anderem eine Küche, wie sie im Mittelalter vielerorts üblich war. 

Es ist kühl in der neuen Küche des Homberger Heimatmuseums. Kuratoriumsvorsitzender Alois Jacob streicht stolz über die Kacheln eines mittelalterlichen Herdes, der für den internationalen Museumstag am Sonntag, 21. Mai, 11 bis 17 Uhr, schick gemacht wurde.

Die Mitglieder des Heimatmuseums bauten eine ganze Küche mitsamt Feuerstelle und Küchenutensilien auf, so wie sie um 1525 üblich war, als das historische Hochzeitshaus an der Homberger Pfarrstraße gebaut wurde. Die Installation folgt dem Motto „Spurensuche. Mut zur Verantwortung.“ Der Küchenraum wurde von der Stadt Homberg teilweise verputzt und geweißt.

In den vier Wänden des Museums sind Spuren gesucht und gefunden worden, wie Jakob sagt. Er kümmerte sich beim Neuaufbau der mittelalterlichen Küche um die einzelnen Küchenobjekte.

Die gemauerte Kochstelle war damals sehr einfach gehalten. Die Krüge und Backformen um die Feuerstelle sind denen aus 1525 nachempfunden. Einen Rauchabzug hatten die Küchen damals nicht, erzählt Jacob, denn meist waren sie im oberen Geschoss eines Hauses gelegen.

Einen Raum weiter befinden sich Exponate der ehemaligen Homberger Töpferei Gimpel und Schade. Dort liegen selbsthergestellte Töpferscheiben, Werkzeug und Tonknetmaschinen. „Damals war es eine große Kraftanstrengung, Ton in Handarbeit selbst herzustellen“, sagte Jacob. Denn Elektrik gab es noch nicht.

Eine Etage höher hat das Museum die Klosteranlage St. Georg digital rekonstruiert. Karl-Otto Schmitt und Volker Kehl führen durch die kleine Ausstellung. Die Stifts- und Wirtschaftsgebäude seien nicht mehr vorhanden, allein das sogenannte Nonnenhaus existiere noch.

Es sei das älteste Gebäude Hombergs, da es noch vor der Stadtgründung entstanden sein soll. Für die Rekonstruktion des Klosters dienten kartografische Zeichnungen von 1860 und dokumentierte Baumaßnahmen, die man unter anderem im Staatsarchiv Marburg gesichtet habe.

Unterstützung fanden die Forscher, beim Amt für Bodenmanagement und bei Frank Lindekamm, der aus den Daten und einem Stückchen Fantasie das 3D-Bild aufbaute. Auch hier wurden intensiv Spuren gesucht: „Wir konnten aus Aufzeichnungen erkennen, dass die Klosterkapelle einen Turm besaß und dass ein Turmreiter drauf gesetzt wurde. Wo der Turm stand, wissen wir aber nicht“, sagte Lindekamm. Eine Ortsbegehung brachte auch keine neuen Informationen, da vom alten Zustand sehr wenig zu erkennen sei.

Seit Januar arbeiteten Schmitt, Kehl und Lindekamm an der Geschichte des St. Georg Klosters. Aus den Rekonstruktionen soll irgendwann ein vollständiges Modell aus Papier hergestellt werden. Ein Maßstab vom 1:100 ist dabei denkbar. 

Welche anderen Veranstaltungen es am Internationalen Museumstag in Homberg geben wird, lesen Sie in der gedruckten Freitagsausgabe, 19. Mai, der HNA Fritzlar-Homberg.

Quelle: HNA

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