Das Künstlerpaar Kristina Fiand und Ernst Groß stellt in der Kunsthalle aus

Heimspiel mit Kettensäge

Groß: Kristina Fiand zeigt Skulpturen.

WILLINGSHAUSEN. „Dies hier ist nicht das, womit man uns gemeinhin verbindet“, sagte Ernst Groß, der keine einzige der berühmten Edeka-Frauen in die Ausstellung mitgebracht hatte. Die Galerie in Frankfurt, in der das Künstlerpaar Kristina Fiand und Ernst Groß die Ausstellung im vergangenen Jahr zeigte, sei anfangs geschockt gewesen.

Doch die riesigen Holzskulpturen wurden in Willinghausen nicht vermisst. Was für das Großropperhäuser Künstlerpaar Kristina Fiand und Ernst Groß in der Vorbereitung eine „Frischzellenkur in Form eines Experiments“ war, erwies sich auch für die gut hundert Gäste der Ausstellungseröffnung am Donnerstagabend zumindest als frische Brise für Herz und Hirn – und das nicht etwa der gereichten kühlen Getränke wegen.

Die Hitze des Tages war für Paul Dippel und das Team von der Kunsthalle Willingshausen kein Hindernis für ein volles Haus. „Wir fühlen uns geehrt, dass ihr beiden hier die Ausstellung gemacht habt“, sagte Bürgermeister Heinrich Vesper zu Ernst Groß, der an diesem Abend ohne Kristina Fiand auskommen musste, die zurzeit in der Mongolei weilt und dort an einer Goethe-Schule unterrichtet.

Zum ersten Mal stellt das Künstlerpaar aus Großropperhausen in der Kunsthalle Willingshausen aus. Für sie, die mittlerweile in der Liga der nationalen und internationalen Kunstszene als frei schaffende Künstler spielen, mutet die Ausstellungseröffnung in Willingshausen wie ein Heimspiel an. 43 Kunstobjeke zeigen sie, unter ihnen zahlreiche Holzbilder, mit experimenteller Fotografie versehen, geschnitzt und koloriert.

„Manche Bilder wurden sogar mit der Kettensäge bearbeitet“, sagte Ernst Groß. Mal mit bissigem politischen Bezug wie etwa das Bild Rettungspakte, mal witzig wie das Objekt Zahnfee, ein Gebiss mit Federkranz. Als „Experimentelle Arbeiten im lebendigen Prozess“ haben Fiand und Groß die Arbeiten bezeichnet.

Die Tischinstallation face your fear – betrachte deine Ängste – von Kristina Fiand in der Mitte der Kunsthalle, hat der gesamten Ausstellung ihren Namen gegeben. Für 12 000 Euro wird sie auf dem Kunstmarkt gehandelt und ist damit das teuerste der gezeigten Kunstobjekte.

Geschenkte Dinge

Auslöser für die Ausstellung war ein rießiger Stoß geschenkter Dinge, die dem Künstlerpaar und dem Verein Landrosinen im vergangenen Jahr zum Aussschlachten zur Verfügung gestellt wurde – aus einer insolvent gegangenen Schreinerei, einer Haushaltauflösung wegen Umzug ins Altersheim, dem Abschied von Bildern eines Lebens, dem der Tod bevorstand. Aus all diesen negativen Ereignissen etwas Positives herauszuziehen, sei ihr Ziel gewesen, so Groß zum auffordernden Charakter der Ausstellung.

Mittlerweile sei die Frau, von der er übers Internet ein Fotonegativ gekauft habe, ihrem Krebsleiden erlegen, unzählige Negativrollen aus ihrem Nachlass gingen in seine Hand. „Ich hatte lange nicht mehr so ein intensives Gefühl“, sagt Groß, der sich über Tage in eine improvisierte Dunkelkammer auf dem Werkhof in Großropperhausen zurück zog. „Tine dachte vorübergehend, sie wäre alleinerziehend“.

Die in dieser Zeit frei gesetzte Energie spiegelt sich auch in der Ausstellung wider, das Auge des Betrachters sieht sich kaum satt. Das haben auch die Galeristen in Frankfurt bereits gemerkt. Groß: „ Bei uns war immer am meisten los.“

Von Kerstin Diehl

Quelle: HNA

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