Resistente Erreger im Krankenhaus könnten tödliche Folgen nach sich ziehen

Ein heimtückischer Keim

Probeentnahme: Reinhold Skwirba, Facharzt für Chirurgie, zeigt die Tupferprobenentnahme für einen MRSA-Nachweis an der medizinischen Angestellten Juana Weinhardt. Foto: Mangold

Schwalmstadt. Wer ins Krankenhaus kommt hofft, gesund zu werden. An die Gefahr, sich mit einem Krankenhauskeim anzustecken, denkt ein Patient eher weniger. Der Wundkeim Staphylococcus aureus verursacht weltweit die meisten der im Krankenhaus erworbenen Infektionen. Besonders gefährlich sind Infektionen durch Methicillin-resistente Staphylokokken (MRSA), die in den letzten Jahren zugenommen haben und gegen die nur noch wenige Antibiotika helfen.

Keime oft schon resistent

„Staphylokokkus aureus ist ein Keim, der eigentlich überall vorkommt“, erklärte Reinhold Skwirba, niedergelassener Facharzt für Chirurgie in Schwalmstadt. MRSA, eine Abwandlung des Keims, habe es gelernt, gegen viele Antibiotika resistent zu werden. Probleme tauchten nur in Krankenhäusern, Altenheimen und Reha-Kliniken auf, in denen Menschen durch einen operativen Eingriff, Krankheit oder Alter geschwächt seien. „Es gibt gute und böse Staphylokokken“, sagte Skwirba. Während die eine Sorte wie MRSA die Wundheilung stört, sorgt die andere auf der Haut für eine Abwehr der krankmachenden Keime.

Der typische Ort der Keimbesiedelung mit MRSA ist der Nasen-Rachenraum. Bis zu 30 Prozent der Bevölkerung trägt den Keim ohne es zu bemerken.

Als Grund für die Zunahme der widerstandsfähigen Bakterien vermuten Mediziner den zu häufigen und oft unspezifischen Einsatz von Antibiotika. Diese wirken nur gegen Bakterien, aber nicht gegen Viren. Dennoch werden Antibiotika unter anderem bei einer leichten Grippe oder Erkältungen verschrieben. Werden die Arzneimittel ohne vorherige Erregerbestimmung verordnet, kann es zu längeren Behandlungszeiten und Medikamentenwechsel kommen. Auch Anwendungsfehler wie Unterdosierung und zu kurze Einnahmedauer fördern die Bildung von resistenten Keimen.

Als Vorbeugunghelfen nur sterile Bedingungen während der Operation und Hygiene bei der Wundversorgung, beispielsweise mit Handschuhen und Mundschutz. Kommt es zu einer MRSA-Infektion, wird die Wunde regelmäßig gereinigt, gespült und desinfiziert, aber nicht selten endet die Infektion mit einer chronischen Wunde. Bei geschwächten Patienten kann sich der Keim über die Blutbahn im Körper verteilen. Ohne wirksames Antibiotikum zur Behandlung kann es zu Lungenentzündungen und tödlicher Blutvergiftung kommen.

Um den Keim einzudämmen, gibt es eine Hygieneempfehlung des Robert-Koch-Instituts für deutsche Krankenhäuser. Empfohlen wird die Untersuchung auf MRSA bei anfälligen Patienten mit chronischer Pflegebedürftigkeit, liegenden Kathetern oder chronischen Wunden und beim Pflegepersonal.

Von Bettina Mangold

Quelle: HNA

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