Fibel über 73 Wehrkirchen im Landkreis

Wehrkirchen: Schutz im Hause Gottes

Heinz Hause brachte Fibel über 73 Wehrkirchen im Landkreis heraus

Homberg. Wer mit Heinz Hause spricht, begibt sich schnell auf eine Reise in die fehdenreiche Zeit des 14. und 15. Jahrhunderts. Denn Heinz Hause will den Blick auf gleich mehrere beachtenswerte baugeschichtliche Besonderheiten im Landkreis lenken: auf Wehrkirchen.

260 davon gibt es laut Hauses Recherchen noch im Schwalm-Eder-Kreis. 73 von ihnen stellt er in seiner neuen 72-seitigen Fibel vor. „Kaum jemand weiß etwas über Wehrkirchen“, betont der Homberger. Daher habe es ihn besonders gereizt, mehr darüber zu erfahren – und dieses Wissen weiterzugeben.

Schmale Fensterschlitze

„Man erkennt die Kirchen, an den schmalen Fensterschlitzen, den besonders gesicherten Eingangstoren und an den Wehrmauern und Wehrbauten, die sie umgeben“, erklärt Hause. Gebäude, die noch heute davon zeugen, wie sehr die Menschen Gott verehrten und Schutz suchten. „Die Menschen brachten sich, ihr Hab und Gut darin in Sicherheit“, so Hause. Nur zu oft sei außerhalb der Kirchenfestung alles niedergebrannt worden. Daher wurden die Kirchtürme mit Schießscharten versehen, die Friedhofsmauer verstärkt, das Eingangstor befestigt.

„Aus der Not heraus entstanden die Wehrkirchen.“ Graben in der Geschichte Das Graben in der Vergangenheit ist etwas, was Heinz Hause liegt. 40 Jahre war er für die Burgberggemeinde aktiv. Er hat bereits Vorträge über Burgen und Schlösser und über Burg- und Schlosskapellen gehalten. „Da gab es viele Parallelen zu den Wehrelementen“, erklärt er. Und schon habe er mit seinen Nachforschungen begonnen. All die Wehrkirchen im Landkreis hat er mehrfach besichtigt.

„Ich habe sie fotografiert und Literatur, unter anderem die Orts- und Kirchenchroniken, für die Ausarbeitung herangezogen“, sagt er. Dabei wurde deutlich, dass noch eine ganze Reihe unterschiedlicher Wehrelemente von den 73 Wehrkirchen ganz oder teilweise erhalten sind. Viele von ihnen seien herausragend und besonders sehenswert, sagt Hause. So etwa die Wehrkirche in Geismar mit ihren großen Mauern und Türmen und die schöne Anlage in Hebel. „Die 73 Wehrkirchen sind alle lohnende Ausflugsziele“, sagt Hause.

Und obwohl er gerne tief in die Geschichte eintaucht, wünscht er sich nicht zurück in diese Zeit. „Ich bin so zufrieden, wie es ist“, sagt er und lächelt. „Nein, damals hätte ich nicht gerne gelebt. Das war keine leichte Zeit. Die Menschen waren Überfällen und Plünderungen ausgesetzt.“ Da sei die Kirche, oft der einzige Steinbau, ein Ort der Verteidigung gewesen. Und schon beginnt sie wieder, die Reise in die Vergangenheit.

Von Maja Yüce

Quelle: HNA

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