Hephata-Behindertenhilfe richtete Haus in der Rotkäppchen-Gemeinde ein

Gruppenbild mit Damen: Von links die Bewohnerinnen Christel Dittrich, Renate Schacht und Rosi Schacht haben es sich in der Sonne gemütlich gemacht. Sandra Lindemann-Uhrig, ständige Vertretung der Teamleitung, kümmert sich um die Frauen. Foto: Schittelkopp

Schrecksbach. Ein weitläufiger Garten, hohe Fenster und 620 Quadratmeter auf zwei Etagen: Christel Dittrich, Renate Schacht und Rosi Schacht fühlen sich pudelwohl in Schrecksbach. Die drei Rentnerinnen wohnen seit zwei Jahren im neugebauten Hephata-Haus im Herzen der Gemeinde.

In dem Haus an der Kasseler Straße leben 14 Menschen zwischen 18 und 77 Jahren auf zwei Etagen. Jedes Stockwerk hat seine eigene Küche, in der die Bewohner selbst ihr Essen zubereiten. „Wir kochen und backen gemeinsam“, sagt Sandra Lindemann-Uhrig, ständige Vertretung der Teamleitung. Dies sei ein wichtiger Schritt in Richtung eines selbstbestimmten Lebens für Menschen mit Behinderung. In ihrem Alltag gibt es keine Versorgung von außen mit vorgekochtem Essen und sauberer Wäsche, sondern die Mitarbeiter unterstützten die Bewohner bei diesen Arbeiten.

Das Schrecksbächer Wohnhaus ist ein Beispiel für die Regionalisierung der Behindertenhilfe, die Hephata anstrebt. 2009 schloss Hephata mit der Aktion Mensch und dem Landeswohlfahrtsverband eine Zielvereinbarung: Von den 500 Bewohnern, die auf dem Stammgelände in Treysa wohnen, sollen in kommenden zehn Jahren 300 Wohnungen außerhalb beziehen. „Priorität hat, was die Bewohner wollen“, sagte Anne Wippermann, Geschäftsbereichsleiterin der Behindertenhilfe. Da werden im Vorfeld Fahrten zu den neuen Standorten organisiert und anhand von Modelle den Menschen mit Behinderung die Wohnsituation erklärt. Eine Rolle spielt dabei natürlich immer, ob sich die neuen Mitbewohner untereinander verstehen.

Bei Christel Dittrich, Renate Schacht und Rosi Schacht war das kein Problem. Die Frauen haben den größten Teil ihres Lebens im Haus Bethanien gewohnt. Ein Umzug im Rentenalter war für die drei eine große Sache. „Hier ist es viel schöner“, erzählt Renate Schacht. Sie kann nun sogar einen Wellensittich halten, Hansi heißt er. Die neuen Zimmern lassen den Bewohnern mehr Freiraum. „Früher war es immer so dunkel“, erinnert sich Renate Schacht. Bethanien wird nun als Bürogebäude genutzt.

15 Mitarbeiter unterstützen die Bewohner in Schrecksbach, hinzu kommen drei Praktikanten. Andere Teams helfen bei Bedarf aus. Auch in die Dorfgemeinschaft fügen sich die Hephata-Bewohner ein. „Da klingelt mal ein Nachbar und nimmt sie mit zum Gottesdienst“, sagt Sandra Lindemann-Uhrig. Das bestätigt Bürgermeister Andreas Schultheis: „Es ist ein freundliches Miteinander.“ Auch zum Sportplatz gehen die neuen Schrecksbächer immer.

Nach derzeitigen Schätzungen investiert Hephata 30 Millionen Euro in die Regionalisierung. Das Konzept dafür ist zunächst für zehn Jahre festgeschrieben.

Die Aktion Mensch trägt voraussichtlich ein Drittel der Kosten, ein Zuschuss kommt vom Landeswohlfahrtsverband (LWV).

Die restlichen zwei Drittel der Kosten trägt zunächst Hephata, langfristig werden diese von dem LWV durch einen separaten Entgeltsatz (Investitionskostenbetrag) refinanziert.

Von Claudia Schittelkopp

Quelle: HNA

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