Nach Überprüfungen durch Aufsicht

Hephata-Diakonie: Gravierende Mängel bei Behindertenhilfe

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Blick auf das Hephata-Gelände in Treysa, aufgenommen vom Turm der Hephata-Kirche.

Schwalmstadt. Im Bereich Behindertenhilfe der Hephata-Diakonie sind „Mängel“ festgestellt worden. Das teilte Hephata in einer Pressemitteilung mit. Die Mängel beträfen vor allem den Bereich Dokumentation in vier Wohneinheiten. Die Überprüfungen waren nach Beschwerden von Angehörigen begonnen worden.

Hephata habe „die internen Maßnahmen zur Qualitätssicherung verstärkt“. Außerdem hat der Hephata-Vorstand entschieden, zum Beispiel gegenüber Angehörigen die Qualitätssicherung so transparent wie möglich zu machen. „Wir müssen hier noch besser und offener werden“, teilt Hephata-Vorstand Peter Göbel-Braun mit, das Beschwerdemanagement solle verbessert und verändert werden. Erwiesen hat sich unter anderem, dass es zu falschen Medikamentengaben kam und dass in einigen Fällen nachts und an Wochenenden die Fachkraftquote nicht erfüllt wurde.

Hintergrund sind offenbar Überprüfungen in der Hephata-Behindertenhilfe seitens der Betreuungs- und Pflegeaufsicht und dem Landeswohlfahrtsverband (LWV). Diese waren durch die Kritik von Angehörigen angestoßen worden (HNA berichtete über den sogenannten Eltern-Stammtisch). „Einige Fehler sind sofort behoben worden“, so die Pressemitteilung. Für Anderes werde an Lösungen gearbeitet.

Die Mehrzahl der Mängel betreffe die Dokumentation von pflegerischen und pädagogischen Maßnahmen. Verwendete Vorlagen seien mal unzureichend, mal lückenhaft ausgefüllt worden, Informationen konnten nur schwer oder gar nicht nachvollzogen werden. „Deshalb entsprechen diese Dokumentationen nicht den Anforderungen“, so Göbel-Braun. Eine lückenhafte Dokumentation könne grundsätzlich immer dazu führen, dass im Schichtsystem eine durchgehende Orientierung und Handlungsanleitung fehle. „Bei zwei Bewohnern wurde festgestellt, dass die Medikamentengabe falsch war“, erklärte Göbel-Braun, es seine aber „keine gravierenden gesundheitlichen Schäden eingetreten“.

Konkret will Hephata jährlichen Schulungen mit einem Apotheker intensivieren. Im Fall einer Bewohnerin seien fehlerhafte Angaben zu Freizeitangeboten in der Dokumentation entdeckt worden, deshalb hätten zwei intensive Schulungen der Betreuungs- und Pflegeaufsicht mit Mitarbeitern stattgefunden.

Das Versorgungsamt habe auch überprüft, ob ausreichend Personal eingesetzt wurde. Heraus kam, dass „die Dienstpläne mitunter unleserlich und unvollständig geführt wurden“. Jetzt will Hephata mit einer „ergänzenden internen Revision im gesamten Geschäftsbereich Behindertenhilfe die Personal- und Dienstpläne noch einmal genau unter die Lupe nehmen“. Trotz Fachpersonals sei bei der Auswertung der Dienstpläne festgestellt worden, „dass in einigen Fällen nachts und an Wochenenden die Fachkraftquote nicht erfüllt wurde“. In einem Fall sei tagsüber in einem Haus zwar im Erdgeschoss, nicht aber im Obergeschoss ein Mitarbeiter im Dienst gewesen. In einer Wohngruppe sei festgestellt worden, dass zwar ausreichend Stellen besetzt gewesen seien, durch eine längere Erkrankung sei es zu einem Ausfall gekommen.

Offenbar ist es auch zu übermäßig häufigen Wechseln von Mitarbeitern in der Behindertenhilfe gekommen, nun soll die Fluktuation begrenzt werden, besonders in Autisten-Wohngruppen.

Jetzt will Hephata Fehler „möglichst schnell, aber auch nachhaltig“ beheben, seinen „über Jahrzehnte erarbeiteten hervorragenden Ruf“ verteidigen.

Die Hephata-Behindertenhilfe bietet im Bereich Wohnen 725 Plätze an verschiedenen Orten in ganz Hessen an. Hinzu kommen 110 Plätze im Betreuten Wohnen.

Von Anne Quehl

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Quelle: HNA

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