Die Musik prägt auch im Ruhestandsalter das Leben von Gerhard Schmidt

Der Herr der Schallplatten

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Schätzchen: Die Platte der legendären Schwälmer Band The Petards gehört zu den liebsten Raritäten von Plattensammler Gerhard Schmidt.

Schwalmstadt - „Es war immer mein Traum, Platten zu verkaufen oder einen Plattenladen zu betreiben.“ Gerhard Schmidts Traum ist am Internetzeitalter zerschellt, vor zehn Jahren war Schluss mit den bis heute in Schwalmstadt legendären Grammophon-Läden.

Gerhard Schmidt führte sie zum Schluss als Inhaber. Bis heute wird in den Nachbargeschäften des Ziegenhainer Einkaufszentrums hin und wieder nach dem Grammophon gefragt.

Doch die Musik, besonders die Liebe zur guten alten Vinylschallplatte, wird der heute 65-Jährige nie aufgeben. Mit seinen beiden Plattenspielern zieht er immer wieder mal los, wenn er als Discjockey zu Geburtstagsfeiern oder Tanzpartys gebucht ist. „Wenn die Leute tanzen, macht es auch mir Spaß“, erzählt der Plattenprofi, der auflegt, was die Gastgeber mögen, auch wenn es mal Scheiben sind, die in seinen privaten Plattenschränken keinen Platz haben.

Dabei hat er viel Platz in seinem Haus in Niedergrenzebach. Das einstige Kinderzimmer der erwachsenen Tochter ist zum Archiv geworden: Poster, Platten, Eintrittskarten, Magazine und Zeitungen in großer Hülle und Fülle. Schmidts Sammelfieber zeigt sich auch im Wohnzimmer: CDs, Langspielplatten, Erinnerungsstücke von zahllosen Konzertbesuchen, Videokassetten und Musik-DVDs füllen Vitrinen und Regale.

Der Herr der Schallplatten

Neue Künstler wie Katie Melua stehen vorne an, denn Schmidt ist immer auf dem Laufenden, studiert die Charts und pickt sich das Beste heraus. Lana del Rey, Bruno Mars, Adele - der 65-Jährige begeistert sich auch für das Beste von heute.

Im Keller gibt es noch mehr zu entdecken. Aus der alten Einrichtung des elterlichen Ladens hat Schmidt ein liebevoll gestaltetes Privatmuseum gemacht. Im dem Geschäft im längst abgerissenen Haus auf der anderen Straßenseite verkaufte der junge Gerhard Schmidt die ersten Platten. Das waren ausgemusterte Musicbox-Scheiben, einige Quittungen seines damaligen Lieferanten Müllner und Klein aus der Kasseler Straße in Ziegenhain hat er säuberlich abgeheftet. In einer Kiste neben der Ladentheke wurden sie feilgeboten, Preis 1,95 Mark.

Ab 1972 lieferte die Firma dem Schmidt‘schen Lebensmittelgeschäft Singleplatten. „Im Lager konnten die Kunden sogar hineinhören“, erzählt Schmidt. Die Petards aus Schrecksbach, die es damals in die internationalen Hitparaden schafften, brachten ihre Scheiben selbst vorbei. Dabei war ein eigener Plattenspieler für viele noch ein Traum, der für Gerhard Schmidt selbst erst nach einem kleinen Lotteriegewinn des Vaters in Erfüllung ging. Viele der heute mittleren und älteren Generation können sich noch an ihre ersten Plattenkäufe bei Gerhard Schmidt erinnern.

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Quelle: HNA

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