Heinrich Bachmann ist die Weidelsburg ans Herz gewachsen

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Ganz oben: Heinrich Bachmann, der seit Jahren die Sanierung der Ruine begleitet, auf der Besucherplattform, Wuchtig erhebt sich der Westpalas.

Ippinghausen. „Herrlich“, sagt Heinrich Bachmann, ganz gleich welcher Himmelsrichtung er sich zuwendet, „einfach herrlich“. Der Wind wirbelt ihm durch die Haare, es bläst gewaltig auf Nordhessens größter Burgruine, der Weidelsburg.

Oben auf dem gerade sanierten Ostpalas steht der 65-Jährige und lässt den Blick schweifen.

Unzählige Male ist er schon hier oben gewesen, an diesem Ort, an dem man sich nicht satt sehen kann. Das Grün der Wälder, die bis zum fernen Horizont reichen, fasziniert Bachmann ebenso wie das Rot der Ziegeldächer von Ippinghausen.

Wie ein Spielzeugdorf liegt es am Fuß des 492 Meter hohen Berges, der der Burg seinen Namen gab. Ganz im Westen glänzt Schloss Waldeck, und südlich der Weidelsburg erhebt sich das romantische Städtchen Naumburg am Tor zum Elbetal. „Es ist ein packendes Panorama“, sagt Bachmann.

„Hier kann man die Heimat in vollen Zügen genießen“, schwärmt der Wolfhager, „und Ruhe finden, die Alltagslasten fallen lassen“. Zum Ausspannen komme er gerne hier hoch. Bis vor kurzem hatte er allerdings vor allem eine Art Arbeitsverhältnis zur Burg. Das wuchtige Gemäuer auf dem markanten Basaltkegel gehört in den Zuständigkeitsbereich von Hessen-Forst. Das Forstamt Wolfhagen ist gewissermaßen der Burgherr, ein sich sorgender, im Gegensatz zu seinen berüchtigten Vorgängern, wie den Raubritter Reinhard von Dalwigk.

Raubritter

Bachmann kam als Büroleiter des Forstamtes erstmals in Berührung mit der Weidelsburg. In den späten 70ern ging es los mit Reparaturen. Etappenweise beschäftigten sie immer wieder das Forstamt und damit auch den Büroleiter Bachmann.

Größte Herausforderung

Ab 2008 stand man vor der bislang größten Herausforderung. Erhebliche Mängel waren festgestellt worden, eine umfassende Sanierung wurde nötig. Die Arbeitsgemeinschaft zum Erhalt der Weidelsburg gründete sich, Heinrich Bachmann war von Anfang an dabei. Mittlerweile ist er Vorsitzender des Fördervereins. Gut vier Jahre dauerten die Hauptarbeiten. Hessen-Forst investierte gut 700 000 Euro.

In dieser Phase hat sich Bachmann, inzwischen Pensionär, intensiv mit Geschichte und Architektur der Burg beschäftigt, hat eine Menge über das Bauwerk und die Zeit seiner früheren Bewohner erfahren.

„Hier kann man die Heimat in vollen Zügen genießen.“

„So romantisch, wie das Mittelalter meist dargestellt wird, war es ganz sicher nicht“, sagt Bachmann. Manchmal denke er: „Wenn die Burg doch sprechen könnte. Sie hätte viel zu erzählen.“ Von Kriegen, Zerstörungung und Wiederaufbau und ihrem beginnenden Verfall ab 1566. Bachmann hat gelernt, die Spuren der Vergangenheit der stolzen Burg, die ihm über die Jahre so sehr ans Herz gewachsen ist, zu deuten.

Und er genießt bei seinen Besuchen auf der Besucherplattform das einzigartige Panorama, das er so treffend beschreibt: „Herrlich, einfach herrlich.“

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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