Schwälmer Weihnachtsmarkt war die die Lieblingsaufgabe der Touristikerin Waltraud Rink

Mit Herzblut für den Markt

Es muss stimmen bis ins Detail: Waltraud Rink am geschmackvoll geschmückten Tannenbaum auf dem Paradeplatz. Der 27. Schwälmer Weihnachtsmarkt ist der letzte, den sie organisiert. Foto: Quehl

Ziegenhain. Wenn es am schönsten ist, soll man gehen: So hält es Waltraud Rink, die zum letzten Mal den Schwälmer Weihnachtsmarkt auf dem historischen Paradeplatz in Ziegenhain organisiert. Es ist ihr 26. Markt. Damit ist sie fast von Stunde Null an dabei, denn den Schwälmer Weihnachtsmarkt gibt es seit 1987, also seit 27 Jahren.

Für die 62-jährige Ziegenhainerin ist der Weihnachtsmarkt die Lieblingsaufgabe im ganzen Jahr, nach dem Markt war für sie in all den Jahren immer vor dem Markt, denn schon im Sommer sind erste Schritte für das große Wintervergnügen nötig. In die heiße Phase geht es im Büro der Schwalm-Touristik als Schaltzentrale im Oktober. Wenn die Mengen dann um den einzigartigen Platz schlendern, Besucher aus der Schwalm, Nord- und Mittelhessen, ja sogar Südhessen, dann weiß Waltraud Rink wieder, dass es der größte und attraktivste Weihnachtsmarkt der Region ist. Knapp die Hälfte der Gäste kommt von außerhalb, ganz überwiegend durch Mundpropaganda, denn teure Werbung ist nicht drin.

„Optimal sind zwei Grad minus und strahlend blauer Himmel – dann schmeckt der Glühwein.“

Waltraud Rink

Dass sei vor allem den vielen Gruppen und Vereinen zu danken, die alle Jahre wieder zupacken und mitgestalten. „Ohne sie liefe gar nichts“, sagt Waltraud Rink und zählt dann munter auf: Die Kindergärten und Schulen, der Tipp-Club mit seinem Zelt am Gestüt, das Café in der Festungsschule, die JVA, die für auch für Unmengen piksauber gespülter Becher sorgt, die Frauen, die den Weihnachtsbaum schmücken, etliche Vereine mit ihren Buden, Ständen und Beiträgen, Rotary- und Lions-Club sowie viele andere.

Vorläufer des Marktes war ein Adventsmarkt an der Wiederholdstraße. In den ersten Jahren auf dem Paradeplatz, damals noch am 4. Adventswochenende, gab es manche Holprigkeit, „zuerst waren es viele, viele Süßigkeitenstände, die Vielfalt hat sich nach und nach ergeben“. Dabei, so weiß Waltraud Rink, ist das Angebot entscheidend, lieber lässt sie eine Lücke im Rundkurs zu, als einen schlechten Stand zu platzieren.

Manches wurde wieder aufgegeben, zum Beispiel das Veranstaltungszelt beziehungsweise Stände in der Platzmitte. Erst mit den Märchendarstellungen wurde die ultimative Lösung für diesen Bereich gefunden. Viele Bestandteile sind Klassiker: Das Weihnachtsmärchen, der Kunsthandwerksmarkt im Museum, der Rotkäppchenbus. Längst haben sich Traditionen entwickelt, feiern die Leute etwa nach dem Markt in den umliegenden Lokalen ausgelassen weiter. Beim Schwälmer Weihnachtsmarkt trifft man sich wie bei der Salatkirmes.

Wenn die Verwaltungsfachangestellte im Sommer in Ruhestand geht, wird es ein konsequenter Abschied sein. Reisen, Zeit für die Familie und vor allem die Enkeltochter will sie haben, Sprachen lernen. Wer ihre Aufgabe übernimmt, weiß sie nicht, nur, dass „wir weiterhin gut sein müssen“. Das letzte Wörtchen hat aber immer Petrus, „optimal sind zwei Grad minus und strahlend blauer Himmel – da schmeckt der Glühwein“.

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Von Anne Quehl

Quelle: HNA

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