Hessische Metallwerke Gebr. Seibel wären 100 Jahre alt geworden

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Erster Industriebetrieb in der Schwalm: Zum 25-jährigen Bestehen der Hessischen Metallwerke der Gebrüder Seibel in Ziegenhain wurde 1936 gab es ein Festschrift, auf der die damalige Ansicht des Betriebes zu sehen war.

Ziegenhain. Im Jahr 1911 errichtete Wilhelm Seibel unter dem Namen „Hessische Metallwerke Gebr. Seibel, Ziegenhain, Bez. Kassel“ ein Zweigwerk seines in Mettmann beheimateten Unternehmens in seiner nordhessischen Heimat. Dieses Jahr wäre das Unternehmen 100 Jahre alt, Anlass zu einem Rückblick.

Über 70 Jahre produzierten dort Schwälmer Landsleute Essbestecke und Tafelgeräte, die es in Designerkreisen zu Weltruhm brachten, Preise einheimsten und sogar auf Briefmarken geadelt wurden. 1984 endete die Produktion in Ziegenhain.

Die Hessischen Metallwerke, Gebr. Seibel Ziegenhain waren eine Essbesteckfabrik, im Schwälmer Land Löffelfabrik genannt, heißt es in einer Chronik von Hans Glänzer, die im Schwälmer Jahrbuch 2001 veröffentlicht wurde.

Der Unternehmensgründer Wilhelm Seibel wurde am 13. Juli 1843 in Gebersdorf/Frielendorf geboren. Er wanderte nach Westfalen aus und arbeitete erst bei einer Firma in Lüdenscheid, die Tafelbestecke fertigte, später bei einem Unternehmen in Mettmann. Im Alter von 52 Jahren gründete Wilhelm Seibel 1895 die Firma W. Seibel, Mettmanner Britanniawarenfabrik.

„Aus kleinsten Anfängen entwickelte er ein Werk, das zu einer Spezial-Besteckfabrik heranwuchs und unter der Schutzmarke eines vierblättrigen Kleeblattes in aller Welt bekannt geworden ist“, heißt es in der Chronik.

1911 folgte die Expansion mit einem Zweigwerk in Ziegenhain, das später in den Besitz seiner beiden jüngeren Söhne Heinrich und Alfred Seibel überging. Seibel gründete damit das erste Industrieunternehmen in Ziegenhain und im Schwälmer Land.

Damals wurden zumeist Bestecke aus Aluminium hergestellt. Bis 1914 wurde die gesamte Produktion exportiert.

Wilhelm Seibel

Nach dem Ersten Weltkrieg ging es mit der Besteckfabrik wieder aufwärts. 1919 wurde ein Maschinenhaus gebaut, in dem eine Dampfmaschine und ein Dieselmotor Gleichstrom für die Fabrik, für Ziegenhain und Dörfer Ascherode und Niedergrenzebach produzierten. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden auch vorwiegend Bestecke für Heer, Luftwaffe und Marine geliefert. In den Jahren 1936 bis 1939 beschäftigte das Unternehmen bis zu 250 Mitarbeiter aus den umliegenden Dörfern. Laut der Chronik gingen Arbeiter aus Merzhausen in den 20er-Jahren noch zu Fuß nach Ziegenhain zur Arbeit. Die Familien, die dort arbeiten, waren die „Seibelaner“. Während des Zweiten Weltkriegs wurden neben den Bestecken auch Gasmaskenfilterdeckel aus Aluminium hergestellt. Ende März 1945 schlossen die Amerikaner das Werk, aber schon ab 1. Juli 1945 durfte wieder produziert werden.

Nach der Währungsreform wuchs die Beschäftigtenzahl wuchs auf 150 Mitarbeiter. Der Firma ging es in den 50er-Jahren gut. Für die Mitarbeiter organisierte die Werksleitung Betriebsausflüge und Weihnachtsfeiern. „Die Betriebsinhaber waren sehr menschlich und sozial eingestellt“, heißt es in der Chronik. Durch die gute Auftragslage in den Nachkriegs-Jahren wuchs die Belegschaft der beiden Betriebe in Mettmann und Ziegenhain auf fast 1000 Mitarbeiter an.

Generationen standen in Lohn und Brot

Viele Schwälmer Familien fanden über Jahrzehnte Arbeit bei den Hessischen Metallwerken

In den 50er-Jahren bekam das Unternehmen die Konkurrenz zu spüren, vor allem aus Japan und Spanien. Herbert Seibel, der älteste Sohn von Heinrich Seibel, nahm 1959 mit der Werkkunstschule Kassel Verbindung auf. Den Gestaltungsauftrag für ein modernes Besteck erhielt damals der Designer Prof. Peter Raacke.

Er lieferte mehrere Entwürfe, die im Ziegenhainer Werk in Produktion gingen. Als erstes Besteck kam mono a in die Fabrikation, das 1973 für sein Design ausgezeichnet wurde.

Es folgten mono-e mit Ebenholzgriffen und mono-t mit Teakholzgriffen, danach die Serie mono-Ring.

Raacke entwickelte weitere Haushaltsgegenstände aus hochwertigem rostfreien Edelstahl, die wie die mono-Bestecke hauptsächlich in gehobenen Einrichtungshäusern und Fachgeschäften im In- und Ausland verkauft.

Die wirtschaftliche Entwicklung der Firma war durch den Vertrieb der herkömmlichen und der modernen mono-Serien bis Anfang der 70er-Jahre recht positiv.

Durch die ausländische Konkurrenz, die auch zum Teil mono-Bestecke auf den Markt brachte, waren die Aufträge ab 1974 stark rückläufig.

Die Stückzahlen wurden reduziert, die Werkswohnungen und landwirtschaftlichen Grundstücke verkauft.

www.mono.de

Die Belegschaft wurde von Jahr zu Jahr verkleinert. Im Alter von 75 Jahren, im Jahre 1985, schied Herbert Seibel aus der Geschäftsführung aus. 1984 gingen die Hessischen Metallwerke in den Besitz und die Leitung von Wilhelm Seibel über, einem Urenkel des Gründungsvater.

Ab 1985 wurde die Firma in „mono-Metallwarenfabrik Mettmann“ umbenannt. Diese neue Firma produziert alle mono-Erzeugnisse in Mettmann und vertreibt sie bis heute von dort aus.

Die Hessischen Metallwerke Gebr. Seibel, Ziegenhain, Bez. Kassel haben über 70 Jahre Essbestecke und Tafelgeräte produziert. Viele Schwälmer haben in dieser Zeit in der Löffelfabrik Arbeit und Brot gefunden.

1984 wurde die Produktion eingestellt und das Fabrikgebäude mit Grundstück verkauft. (alx)

(Quellen: Schwälmer Jahrbuch 2001; private Aufzeichnungen von Otti Schwalm und Unternehmensgeschichte von Mono/Seibel Designpartner GmbH.)

Quelle: HNA

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