Migranten berichteten an der Radko-Stöckl-Schule von ihren Erfahrungen in Deutschland

Hier ist Vielfalt Trumpf

Schluss mit den Vorurteilen: Bei der Auftaktveranstaltung zum Schulwettbewerb sprachen Projektorganisator Timo Lorenz (von links), Dr. Wilhelm Richebächer (Dezernent der evangelischen Kirche), Student Jonas Ailabouni, Roland Löffler von der Herbert-Quandt-Stiftung, Mamadou Ouly Balde (B.Braun), Schulleiter Bernd Richter und Moderator Bastian Ludwig (HNA) über Chancen einer multikulturellen Gesellschaft. Foto: De Filippo

Melsungen. Dass an der Radko-Stöckl-Schule viele Kulturen aufeinander treffen, sieht man schon in der Pausenhalle. Dort hängt ein riesiges Plakat, auf denen die Herkunftsländer der Schüler verzeichnet sind: Deutschland, Russland und Peru, Afghanistan, Sri Lanka und die Philippinen. Diese Vielfalt wollen Schüler und Lehrer jetzt nutzen: Sie beteiligen sich am Wettbewerb „Trialog der Kulturen“ der Herbert-Quandt-Stiftung. Die Auftaktveranstaltung fand am Dienstag in Melsungen statt.

„Wir wollen beweisen, dass Sarrazin nicht Recht hat“, sagte Roland Löffler von der Herbert-Quandt-Stiftung. Ziel des Schulwettbewerbs sei es, die Toleranz zwischen Menschen aus unterschiedlichen Kulturkreisen zu fördern, Konflikte friedlich zu lösen.

Wie allgegenwärtig das Thema Integration in unserer Gesellschaft ist, zeigte eine Diskussionsrunde mit Gästen, die aus persönlicher Erfahrung berichteten. Darunter Mamadou Ouly Balde, der 1999 aus Guinea nach Deutschland kam und heute bei der B.Braun Melsungen AG arbeitet. „Kulturelle Vielfalt ist eine Chance für Unternehmen“, sagte er.

Auch Andrej Klimovets verließ seine Heimat, um in Deutschland neu anzufangen. Aus Weißrussland zog er nach Deutschland, spielt heute bei der MT Melsungen Handball. „Im Sport gelingt Integration leichter“, weiß er. Dennoch erinnert er sich auch an den harten Start im fremden Land: „Ich konnte die Sprache nicht, wusste oft nicht mal, was der Trainer sagt.“

Sprache bringt Kultur näher

Wie wichtig es ist, die Sprache zu beherrschen, machte auch Dr. Wilhelm Richebächer, Dezernent der evangelischen Kirche, deutlich. Er selbst lebte mehrere Jahre lang mit seiner Familie in Afrika, weiß also, wovon er spricht. „Über Sprache versteht man auch mehr von der anderen Kultur.“

An der Radko-Stöckl-Schule funktioniert der kulturelle Austausch. 30 Prozent der Schüler haben einen Migrationshintergrund, Konflikte gibt es jedoch kaum. „Man muss sich mit der eigenen Kultur auseinander setzen und offen dafür sein, andere Kulturen kennenzulernen“, beschrieb Jonas Ailabouni das Geheimnis eines guten Miteinanders. Der Student ist Sohn eines palästinensischen Einwanderers, kennt die Vorurteile, die viele Deutsche haben.

3500 Euro hat die Melsunger Berufsschule von der Herbert-Quandt-Stiftung erhalten. Damit können die Schüler ein Jahr lang Projekte rund um die drei großen monotheistischen Weltreligionen Judentum, Christentum und Islam finanzieren. Auch um kulturelle Identität wird es gehen. Ein Motto für die Aktionen gibt es bereits: Schule der Vielfalt für eine Welt der Vielfalt.

Im Oktober 2011 werden die besten Projekte mit Geldpreisen von insgesamt 60 000 Euro ausgezeichnet. Start- und Preisgeldbeträge werden von einer unabhängigen Expertenjury vergeben.

Von Pamela De Filippo

Quelle: HNA

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