Melsungerin wollte Mutter in Pflegeheim unterbringen und wurde abgewiesen

Melsungen: Vom Altenzentrum abgewiesen

Melsungen. Der Pfingstmontag hielt für Ursula Hadem und ihren Mann eine böse Überraschung bereit. Wegen eines Wasserschadens konnten die Melsunger ihr Badezimmer und die Toilette nicht benutzen. Doch es kam noch schlimmer.

Die 89-jährige Mutter von Ursula Hadem ist pflegebedürftig und konnte unter diesen Umständen nicht zu Hause versorgt werden.

Hilfe erhoffte sich Ursula Hadem vom Melsunger Altenzentrum Dr.-Horst-Schmidt-Haus, wo sie ihre Mutter gerne in der Kurzzeitpflege untergebracht hätte. Doch am Telefon sei sie schroff abgewiesen worden. Der Chef sei nicht da, wurde ihr erklärt, und auf die Nachfrage, was sie denn nun tun solle, hieß es: „Das ist ihre Sache“.

Das sei ein bedauerlicher Vorfall, dem er nachgehen werde, erklärte Uwe Marth, der Leiter des Dr.-Horst-Schmidt-Hauses, auf Anfrage der HNA. Es gebe eine Bereitschaftsnummer, über die er oder die Pflegedienstleiterin immer zu erreichen seien, erklärte Marth. Diese Nummer sei eigentlich allen Mitarbeitern bekannt. Wie es zu dieser Panne kommen konnte, könne er sich nicht erklären.

Nicht immer sei es möglich, in solchen akuten Fällen zu helfen, zumindest müssten einige Fragen vorab geklärt werden, beispielsweise ob ein ärztliches Attest nötig sei oder ob es sich um einen Patienten handele, der beatmet werden müsse. Das sei beispielsweise im Dr.-Horst-Schmidt-Haus nicht möglich.

Für die Kurzzeitpflege stehen in der Melsunger Einrichtung lediglich drei Plätze zur Verfügung. Die seien in der Urlaubszeit oft langfristig gebucht, sagte Marth.

In solchen Fällen versuche man aber zu helfen, indem man Patienten beziehungsweise ihre Angehörigen an andere Häuser verweise, die eine größere Zahl Kurzzeitpflegebetten vorhalten.

Ursula Hadem fand schließlich Hilfe im Felsberger Seniorenzentrum St. Valentin. „Die diensthabende Schwester ging sofort auf unser Problem ein. Sie besorgte für unsere Mutter ein Bett, und wir konnten sie ganz unbürokratisch am selben Tag noch dorthin bringen“, so die Melsungerin. (hro)

Hintergrund: Akutfälle sind selten

Keinem Pflegeheim könne vorgeschrieben werden, dass es einen Patienten aufnehmen müsse, manchmal seien ja auch keine Plätze frei, sagt Asmuth Stüssel, Fachbereichsleiter der Sozialverwaltung beim Landkreis. Fälle wie in Melsungen, bei denen Patienten sehr akut untergebracht werden müssten, seien selten. Meist zeichne sich die Pflegebedürftigkeit ab und eine Unterbringung könne vorbereitet werden. Eine Notfall-Nummer gebe es daher nicht. Von Engpässe in der Kurzzeitpflege ist Stüssel nichts bekannt, aber manchmal finde man nicht in dem gewünschten Haus einen Platz und müsse auf ein anderes ausweichen. In 31 Einrichtungen im Landkreis würden Betten für die Kurzzeitpflege angeboten. Einige hätten sich sogar nur darauf spezialisiert. In Häusern ohne Kurzzeitpflege würden frei Betten für solche Angebote genutzt, berichtete Stüssel. (hro)

Quelle: HNA

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