Aus Nest an Nothfelder Kirche gestürzt

Mauersegler werden aufgepeppelt: Hilfe vor Flug nach Afrika

Mauersegler auf der Hand: Immer wieder fallen die schnell fliegenden Vögel aus dem Nest. Ist das der Fall, benötigen sie Hilfe von Spezialisten. Foto: dpa

Nothfelden. Er isst, schläft und paart sich im Flug, kann bis zu 150 Stundenkilometer schnell fliegen und kommt nur von etwa Mai bis Anfang August in die hiesigen Breitengrade, um dann wieder ins afrikanische Winterquartier zu ziehen.

Fast sein komplettes Leben spielt sich in der Luft ab, wofür der Mauersegler nur eines benötigt: ein vollständig ausgebildetes Gefieder. Hat er das als Jungvogel noch nicht und fällt aus seinem Nest, benötigt er Hilfe.

Wie auch der kleine Piepmatz, den Sabrina Kreisel vergangene Woche unterhalb der Nothfelder Kirche gefunden hat. Ornithologisch interessiert, war der Verkäuferin schnell klar, dass sie allein nichts ausrichten konnte. Günter Herbold schien ihr der richtige Ansprechpartner, war er es doch gewesen, der im März für die zwölf Nistkästen am Gerüst um den Kirchturm gesorgt hatte, aus dem jetzt offensichtlich das Sorgenkind geplumpst ist.

Experten können helfen

Als Vorsitzender der NABU-Ortsgruppe wusste Herbold gleich, was er tun musste. „Wer einen Mauersegler am Boden findet, sollte sich immer an die Untere Naturschutzbehörde oder einen Naturschutzverband wenden“, sagt er. „Die verfügen über Adressen, wo die Vögel aufgezogen beziehungsweise wieder gesund gepflegt werden können.“

Aus dem Kirchturmnest geplumpst: Sabrina Kreisel und Günter Herbold haben richtig gehandelt und einen jungen Mauersegler in Expertenhände übergeben. Foto: zhf

Auf keinen Fall solle man selbst versuchen, das Tier wieder in die Luft zu befördern, das nämlich sei aussichtslos. „Wenn ein Mauersegler am Boden liegt, hat das einen Grund“, so Herbold. „Entweder er ist verletzt oder so jung, dass sein Gefieder noch nicht vollständig ausgebildet ist.“

Niemals werfen

So suchte auch er Rat bei der Naturschutzbehörde und erhielt eine Adresse im Raum Fritzlar, wo sich Andrea Krüger-Wiegand liebevoll um am Boden gestrandete Exemplare der schwarzen Insektenjäger kümmert. Auch sie sagt: „Niemals einen Mauersegler in die Luft werfen, wer auch immer das rät – es ist falsch.“ Jedes Jahr würden zahlreiche Jungtiere hochgeworfen, wodurch sich die verängstigten Vögel schwere Verletzungen zuzögen, sogar flugunfähig werden könnten.

Für Abstürze kämen verschiedene Umstände in Betracht, welche es in ihrer Pflegestationen zu klären gelte. Dort umsorgt sie nun auch den Nothfelder Jung-Mauersegler, zusammen mit etwa zehn weiteren zur Gattung der Kolibris gehörenden Segler. „Der Kleine macht sich gut, langsam verliert er seine Angst“, sagt sie und bittet Finder von am Boden liegenden Mauerseglern, sich kompetente Hilfe zu suchen. So, wie es Sabrina Kreisel getan hat.

Info: Wer einen Mauersegler findet, kann sich an die Mauerseglerhilfe Schwalm-Eder-Kreis wenden, Telefon 0160/9832008 oder übers Internet: www.mauerseglerhilfe.de.vu

Von Sascha Hoffmann

Quelle: HNA

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