Hilfe für verletzte Greifvögel: Einzige Auffangstation im Landkreis

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Misstrauisch: Das Uhupärchen Parvati und Padex ist immer auf der Hut.

Beiseförth. Mit Greifvögeln zu arbeiten, das war Regina Rochelmeyers Traum. Zusammen mit ihrem Mann Lutz betreiben sie die einzige Greifvögelauffangstation im Landkreis.

Die Vögel, die in ihrer Anlage in Beiseförth landen, kommen auch von außerhalb des Landkreises, denn Spezialisten wie die Rochelmeyers sind dünn gesät. Sie nehmen verletzte Greifvögel auf und pflegen sie wieder gesund, bis sie wieder ausgewildert werden können in die Freiheit.

Lutz Rochelmeyer ist Jäger, hat vier Jagdhunde. Auch Ehefrau Regina hat den Jagdschein, der Voraussetzung für den Falknerschein ist. Es ist die „Erhabenheit der Vögel“ die sie fasziniert.

Ein solches Hobby, das mit viel Arbeit verbunden und kostenintensiv ist, kann nur funktionieren, wenn es eine gemeinsame Leidenschaft ist. „Meine Frau wollte das, und ich ziehe da mit“, sagt Lutz Rochelmeyer. 2002 haben sie ein Haus mit großem Grundstück in Beiseförth gekauft. Seit drei Jahren betreiben sie die Auffangstation. „Wir kriegen alles vom Turmfalken und Fischadler bis hin zum Bussard und der Waldohreule“, sagt Lutz Rochelmeyer, der wie Ehefrau Regina bei B.Braun arbeitet. Dank seinem handwerklichen Geschick entstehen auf dem Grundstück mehr und mehr Volieren. Alle sind sie peinlichst sauber. „Hygiene ist Grundvoraussetzung, Greifvögel sind sehr empfindlich“, erklärt Regina Rochelmeyer.

Zurzeit pflegen sie vier Patienten. Einen acht Wochen alten Bussard, der drei bis vier Monate bleiben wird bis er ausgewildert werden kann. Erst dann wäre das Tier auch in freier Natur nicht mehr von den Eltern abhängig.

Dann gibt es die Turmfalkendame Odine, die auf eine Lkw-Plane flog, dabei ein Schädel-Hirn-Trauma erlitt, auf einem Auge nicht mehr sieht und vermutlich ein Dauergast bleiben wird. Auch zwei Krähen sitzen in einer Voliere. Ein junger Wespenbussard, musste eingeschläfert werden.

Tiere mit einem gebrochenen Flügel bleiben sechs bis acht Wochen in der Station. Tiere mit einem Gefiederschaden werden erst wieder in die Freiheit entlassen, wenn die nächste Mauser vorbei und das Gefieder intakt ist.

Um die Tiere fachgerecht behandeln zu können, funktionierten die Rochelmeyers ihre Werkstatt zum Greifvogel-Sanatorium um. Das Aufpäppeln und Pflegen ist Regina Rochelmeyers Metier. Mit der Melsunger Veterinärmedizinerin Dr. Carmen Hufnagel haben sie eine eine sachkundige Spezialistin zur Seite.

Das Abschiednehmen fällt ihnen nicht schwer. Greifvögel müssten in Freiheit leben. Manchmal ist es dann auch ein Abschied auf Raten. Ein junger Turmfalke kam nach dem Auswildern immer wieder.

Morgens, wenn Lutz Rochelmeyer zur Arbeit fuhr, saß er da und guckte ihn an. „Warte, ich hol dir ein Küken“, habe er zu dem hartnäckigen Gast gesagt. Bis er sich nach zwei Wochen plötzlich nicht mehr blicken ließ.

Von Alexandra Lache-Elsen

Quelle: HNA

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