Zehntklässler der Melsunger Gesamtschule erkundeten soziale Berufe

Hilflos sein auf Probe

Vertrauensfrage: Der 17-jährige Marc Bürgermeister (links) führte seinen Mitschüler Marian Prostmann, der nichts sehen konnte, durch das Schulgebäude. Das war eine Übung beim Sozialtraining an der Melsunger Gesamtschule. Fotos: Schorn

Melsungen. Essen anreichen, Blinden helfen, gemeinsam basteln – solche Erfahrungen sammelten am Donnerstag Zehntklässer der Gesamtschule Melsungen. „Entdecke dein soziales Talent – das etwas andere Casting“ nannte sich das Angebot, das der Fachbereich Sozialwesen der Melsunger Radko-Stöckl-Schule (RSS) organisiert hatte.

An vier Stationen erhielten die Jungen und Mädchen Einblicke in soziale Berufsfelder – sowohl theoretisch als auch praktisch. In einem Klassenzimmer übten sich die Jugendlichen in typischen Arbeitsabläufen eines Pflege- oder Erzieherberufes. Marian Porstmann und Marc Bürgermeister probierten aus, auf welche Hilfe ein blinder Mensch angewiesen ist. Abwechselnd zogen sie sich eine lichtundurchlässige Brille an und wurden von ihrem Mitschüler durch das Gebäude geführt.

„Ein komisches Gefühl“

„Das war ein komisches Gefühl“, meinte der 17-jährige Marc. „Man musste sich voll und ganz auf den anderen verlassen und war auf seine Hilfe angewiesen.“ Gleiches galt an den Nachbartischen. Denn auch beim Brotschneiden mit Handschuhen, was Rheuma oder Gicht nachempfinden helfen sollte, waren Hilfestellungen der Mitschüler vonnöten.

Andere Jugendliche füllten einen Fragebogen zum Thema „Bin ich ein sozialer Typ“ aus. Daneben gab es Informationen rund um die Ausbildungsberufe im Sozialwesen.

„Die Schüler der abgehenden Klassen sollen für soziale Berufe begeistert werden. Gleichzeitig soll ihnen diese Aktion auch die Berufswahl etwas erleichtern“, erklärte Lehrerin Magdalena Voit von der RSS. Pädagogen der Berufsschule haben gemeinsam mit Kollegen von der Schwalmstädter Hephata-Akademie für Soziale Berufe und der Berufsschule Ziegenhain diesen Projekttag entwickelt. Bei der Umsetzung unterstützt wurden sie am Donnerstag von Fachschülern der Radko-Stöckl-Schule.

So auch bei der Station „Soziales Handeln“. Dort spielten die Zehntklässler Konflikte nach. Wie verhalte ich mich als Erzieher korrekt bei Streitereien? Und was mache ich in schwierigen Situationen mit älteren Menschen? Danach besprachen sie die Reaktionen.

An einer weiteren Projektstation durften die 15- bis 17-Jährigen spielen. Beim Malen eines Bildes zu zweit oder einem Klatschspiel ging es besonders um die Gruppenerfahrung. „Die Mädchen und Jungen sollen Vertrauen zueinander bekommen“, erklärte Magdalena Voit. Einen anderen Menschen zu füttern, war für viele befremdlich, das Basteln von Figuren für Kindergartenkinder ging den Jugendlichen da deutlich leichter von der Hand.

„Von einem Praktikum in einem Altenheim weiß ich, dass diese Arbeit ganz schön schwer ist“, sagte Schülerin Juliane Dikinov. Viele ihrer Mitschüler wollen deshalb nicht in diese Berufssparte einsteigen. Trotzdem kam die Veranstaltung gut an, sogar so gut, dass die Lehrer der ausführenden Arbeitsgruppe das Projekt im nächsten Jahr noch an anderen Schulen ausweiten wollen, wie Voit mitteilte.

Von Michael Schorn

Quelle: HNA

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