Herbert Rietze zieht es auf den höchsten Punkt des Wolfhager Landes

Blick in die Ferne: Herbert Rietze an seinem Lieblingsort, der Aussichtsplattform des Bärenbergturms. Im Hintergrund liegt seine Heimatstadt Zierenberg. Fotos:  Norbert Müller

Zierenberg. „Es ist anstrengend, hier hochzukommen“, sagt Herbert Rietze, „aber wer den Weg auf sich nimmt, wird belohnt“. Der 62-jährige Zierenberger muss es wissen.

Seit Jahren zieht es ihn immer wieder auf den Großen Bärenberg, der mit rund 600 Metern höchsten Erhebung im Wolfhager Land.

Steile Rampe

Die Auffahrt mit dem Auto ist verboten, nach oben kommt man nur zu Fuß oder per Fahrrad. Und weil die Steigung so mancher Etappe der Tour de France zur Ehre gereichen würde, bevorzugt Rietze den zügigen Marsch. Ungeübte benötigen für den etwas mehr als zwei Kilometer langen Weg über die steile Rampe eine knappe Stunde.

Auf dem Gipfel steht ein Turm aus Stahlfachwerk, der zum Endspurt einlädt. 1999 hat ihn ein Mobilfunkunternehmen gebaut. Auf halber Höhe, gut 30 Meter, befindet sich eine Aussichtsplattform. Wer von hier aus die fantastische Weitsicht genießen will, hat noch genau 153 Stufen zu bewältigen.

Wie oft Rietze in den vergangenen Jahren die Treppen hinaufgestiegen ist, um dem Himmel ganz nah zu sein, kann er nicht sagen. „Es hat schon Tage gegeben, da war ich zweimal hier oben“, sagt der gelernte Elektriker. Der Berg mit seinem Turm zieht ihn magisch an. Von hier hat er nicht nur einen Blick wie aus der Vogelperspektive auf seine Heimatstadt. Über das Wolfhager Land hinaus kann man bis zum Rothaargebirge mit Ettelsberg und Kahlem Asten blicken, bis zum Kellerwald, bei sehr guter Sicht kann man am Horizont sogar den Harz mit dem Brocken sehen.

Als begeisterter Fotograf hat der Vorruheständler die Landschaften rund um den Berg zu jeder Jahreszeit und bei jedem Tageslicht fotografiert. Rietze schwärmt von glutroten Sonnenuntergängen, vom Vollmond, wenn er sich großformatig über die Kuppen hinter Zierenberg schiebt und behäbig aufsteigt.

„Wer den Weg auf sich nimmt, wird belohnt.“

Aber nicht nur die Perspektive vom Berg hat für Herbert Rietze seinen Reiz. Der Bärenbergturm ist der Fixpunkt in seiner Heimat. „Wenn ich beruflich im Ruhrgebiet war und zurückfuhr, hab ich auf der Autobahn schon kurz hinter Diemelstadt den Bärenbergturm sehen können.“ Bis nach Hause, zur Familie, war es dann nicht mehr weit. „Irgendwie ist der Turm der Mittelpunkt, ich weiß immer, wo Zierenberg liegt, egal woher ich komme.“

Auf drei Etagen über der Aussichtsplattform drängen sich Sendeanlagen. Mag sein, dass es hier Elektrosmog gibt, sagt Rietze. Gut möglich auch, dass es – neben dem beschwerlich Anstieg – ein weiterer Grund dafür ist, dass man selten jemanden auf der Kuppe des erloschenen Vulkans antrifft.

„Es ist eher eine einsame Ecke hier“, stellt Rietze dann auch fest, ja, wenn man die letzten Meter auf dem Weg zum Gipfel marschiert, auch ein etwas trister, schließlich hat der Orkan Kyrill Anfang 2007 rund um den Turm mächtig abgeräumt.

Das alles vergisst Herbert Rietze, wenn er einmal mehr die letzte der 153 Stufen genommen hat.

Von Norbert Müller

Quelle: HNA

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