Eine Spurensuche zum heutigen kirchlichen Feiertag

Auf dem Himmelweg

Der Blick geht in die Weite: Die Verlängerung des Himmelweges in Fritzlar-Wehren ist ein Feldweg, der in Richtung Kirchberg und Wartberg (rechts) führt. Foto: Dellit

Das ist ein Schock: Der Weg zum Himmel ist eine Sackgasse. Weniger überraschend ist, dass es in Richtung Himmel nur ganz gemächlich geht: Tempo-30-Zone! Gestern, einen Tag vor Himmelfahrt haben wir uns auf den Weg gemacht in den Fritzlarer Stadtteil Wehren, denn dort liegt er am Rand des Dorfes: der Himmelweg.

Auf der Hinfahrt in den kleinen Fritzlarer Stadtteil ist das Autoradio noch ganz auf Erdenkurs: Michael Jackson singt das Lied der Erde („Earth Song“), und der Nachrichtensprecher vermeldet, dass die Raumfährer Endeavour nach 19 Jahren nicht mehr in das Weltall fliegt, sondern endgültig auf der Erde bleibt. Ende der Himmelfahrt, könnte man sagen.

Der Himmelweg zweigt in Wehren von der Kirchberger Straße ab. Nein, woher der Name kommt, wisse er nicht, sagt ein Wehrener, der mit Hund des Weges kommt. Früher habe die Straße wohl mal anders geheißen, glaubt er sich zu erinnern.

Rechts säumen Einfamilienhäuser den Weg, große Gärten, teilweise mit Schwimmbecken. Links ein großes Feld mit wogenden Ähren. Der Blick geht in die Weite, über den Horizont jagen sich dunkle Wolken. Sollte das nicht der Weg zum Himmel sein, so ist es zumindest ein guter Weg, um den Himmel in seiner ganzen Schönheit zu bewundern.

Der selbe wie 1842?

„Der Himmel Fritzlars ist derselbe geblieben“, behauptete Dr. Carl Bernhard Nicolaus Falckenheiner in der „Geschichte Hessischer Städte und Stifter“ im Jahr 1842, meinte damit aber das Wetter und empfahl den Fritzlarern, den Weinbau wieder aufzunehmen.

Im Deutschen gibt es nur ein Wort für jenen Himmel, den man über sich sieht, und jenen, der im Jenseits liegen soll. Im Englischen ist es einfacher, dort wird zwischen „sky“ (sichtbarer Himmel) und „heaven“ unterschieden.

Für den Weg in diesen jenseitigen Himmel, so glauben die Christen, die heute die Himmelfahrt Jesu feiern, gibt es Wegweiser. Fritzlars katholischer Stadtpfarrer Jörg Stefan Schütz antwortet auf die Frage, wie man dem Weg zum Himmel findet, mit der biblischen Aufforderung: „Du sollst Gott und den Nächsten lieben wie dich selbst.“

Folgt man dem Himmelweg in Wehren bis an sein Ende, geht er in einen Feldweg über. Mohnblumen säumen den Rand, es geht eine Anhöhe hinauf. Dahinter fällt der Blick auf Kirchberg, auf Niedenstein und auf den Wartberg bei Gleichen. Es bleibt unklar, ob irgendwo dort hinten tatsächlich der Himmel ist. Aber – und das ist ein Trost – der Himmelweg ist schließlich doch keine Sackgasse.

Von Olaf Dellit

Quelle: HNA

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