Hirtenhaus in Willingshausen mit Zuschuss modernisiert

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Gemütlich: Mit viel Liebe zum Detail wurde das Hirtenhaus für Feriengäste eingerichtet. Anna Wüst, Stipendiatin Julia Charlotte Richter, Bürgermeister Heinrich Vesper, Sonja Pauly und Ulli Becker-Dippel (von links) genossen die Atmosphäre.

Willingshausen. Im Hirtenhaus in Willingshausen fühlen sich seit 1973 nicht nur regelmäßig Feriengäste wohl. Seit 16 Jahren ist das historische Fachwerkhaus aus dem Jahr 1562 auch immer wieder das Domizil der Künstlerstipendiaten, bislang 33 an der Zahl. Künftig soll das schmucke, einst in Ständerbauweise errichtete Haus auch Besuchern des Schwalm- und Bahnradweges als Übernachtungsmöglichkeit dienen: Denn gerade wurde das Hirtenhaus mithilfe des EU-Förderprogrammes Leader modernisiert.

„Die Malerkolonie mit ihren Ausstellungen und Kursangeboten zieht auch überregionale Touristen an. Durch die Förderung wird also nicht nur das Haus, sondern der Ort insgesamt aufgewertet“, erklärt Sonja Pauly, Regionalmanagerin der Leader-Region Schwalm-Aue. Ulli Becker-Dippel hat ihr Haus dem heutigen Standard angepasst - besonders wichtig war ihr aber, den ursprünglichen Charme zu erhalten.

Vormals mit Öfen beheizt

Eingebaut wurde eine Heizung, denn bis vor wenigen Monate sorgten ausschließlich zwei Holzöfen für behagliche Wärme. „Viele Feriengäste fanden das toll, für sie ist der Urlaub hier eine Art Abenteuer“, sagt Becker-Dippel. Doch insbesondere im Winter sei es schon eine Herausforderung gewesen, morgens erstmal Holz zu hacken, um das Haus zu heizen. Verteilt auf 150 Quadratmetern, zusammen drei Etagen, gibt es aber nach wie vor drei Öfen. Modernisiert wurde auch das Bad, in das Becker-Dippel eine Dusche eingebaut hat. Für die alte Wanne - ein altertümliches Modell auf Füßen - hat sich die Hausherrin etwas besonderes einfallen lassen: Weil sich keine passende Armatur fand, hat sie sie kurzerhand selbst gebaut. Aus einem alten Eichenbalken - natürlich aus dem Hirtenhaus.

„Wichtiges Kriterium für die Förderung war und ist auch das Nutzen alter Bausubstanz“, erläutert Sonja Pauly. Die Familie Becker rettete das Haus 1970 vor dem Abriss: Damals kaufte sie das Hirtenhaus von der Gemeinde. Im Vordergrund stand aber nicht nur das Erhalten. Das Haus sollte mit seiner Nutzung als Feriendomizil auch die Rente von Ulli Becker-Dippels Eltern sichern. „Meine Mutter Anka hat zum Beispiel den Ofen unten im Wohnraum regelmäßig mit Zwetschgenmus abgedichtet“, erzählt ihre Tochter. Anna Wüst, die das Haus für Gäste herrichtet, erinnert sich an eine niederländische Familie, die nach ihrer Reise erzählten: „Wir haben in einem Museum gewohnt.“

Seit der Modernisierung ist das Hirtenhaus zertifiziert: Es wird auf der Internetseite bed+bike des Fahrradclubs ADFC als fahrradfreundliche Unterkunft beworben. Das Hirtenhaus bietet Platz für sechs Menschen und ist ganzjährig vermietbar.

Von Sandra Rose

Quelle: HNA

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