Sperrbalken wie im Mittelalter

Historischer Riegel verschließt jetzt das Tor der Felsburg

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Der neue Sperrbalken nach altem Vorbild: von links Burgvereinsvorsitzender Horst Fenge, Georg von Vogt, Burgwart Erich Majeske und Kulturwart Hans Poth am Haupteingang.   

Felsberg. „Die Felsburg ist um eine Attraktion reicher“, sagt Hans Poth, Kulturwart des Felsberger Burgvereins: Den Haupteingang der 1000 Jahre alten Felsburg schmückt nun wieder ein hölzerner Sperrbalken, der einst das Tor sicherte.

Das Geschenk stammt von dem Dachdecker- und Zimmerermeister Lutz Euler aus Butzbach, der Diplom-Restauratorin Kirsten Harms aus der Pfalz und Architektin Dr. Katarina Papajanni. Sie ist bei der für die Felsburg zuständigen Verwaltung der Staatlichen Schlösser und Gärten in Hessen im Fachgebiet Bauangelegenheiten und Denkmalpflege zuständig.

Bei der Felsburg-Sanierung zwischen 1987 und 2005 war aus Versehen das Loch am Haupteingang der Burg zugemauert worden. Dort hinein wurde früher von innen der Sperrbalken eingeführt. Harms öffnete das Loch und gemeinsam kam man auf die Idee, den Balken zu rekonstruieren. Harms und Lutz Euler verwirklichten den Plan und schenkten dem Burgverein die neue Verriegelung nach historischem Vorbild.

Der 1,40 Meter lange Sperrbalken wurde aus einem Eichenstück einer abgerissenen Scheune in Andernach bei Koblenz nachgebaut. Euler hütet alte Balken wie einen Schatz. Der Dachdecker verwendet sie bei Restaurierungsarbeiten wieder.

„Neben der Burg Friedberg ist die Felsburg die einzige Burg in Hessen mit Sperrbalken“, sagt der Heimathistoriker Hans Poth. Er will den Besuchern die Funktion des Sperrbalkens realistisch vorführen. „Das macht das Leben auf der Burg anschaulicher. Frei von falscher Romantik wird die Burg damit noch mehr als Wehr- und Wohnarchitektur des Mittelalters begriffen.“

Die Mauern rund um das Tor stammen aus der Zeit zwischen 1330 und 1390. Sie entstanden im Zuge der militärischen Aufrüstung der Felsburg beim Kampf zwischen der Landgrafenschaft Hessen und dem Erzbistum Mainz. Die Hessischen Landgrafen waren als Eigentümer die Nachfolger der Grafen von Felsberg. Letztere ließen die Burg erbauen und starben um 1250 aus.

Nach den Investitionen von mehr als 2,5 Millionen Euro gab es immer wieder neue Schäden. Ab 2017 sah auch das Ministerium für Wissenschaft und Kunst dringenden Handlungsbedarf. Horst Fenge, Vorsitzender Burgvereins: „2017 hat sich viel getan zum Erhalt des Denkmals. Der Sperrbalken als Geschenk von Lutz Euler und Kirsten Harms ist das Tüpfelchen auf dem i.“ Architektin Dr. Papajanni zur Bautätigkeit: „Es läuft alles, und 2018 machen wir weiter.“  

Quelle: HNA

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