Hitzige Quellen-Debatte: Besser sollen ihr Wasser behalten

Fotografieren verboten: Dieses Foto, wie Stephan Klüttermann Unterschriften an Bürgermeister Karl-Heinz Färber überreichte, entstand vor Sitzungsbeginn. Danach mussten die Kameras aus bleiben. Mitglieder von SPD und CDU wollten keine Fotos. Foto: Dewert

Besse. Die Argumente beider Seiten waren am Montagabend schon vor Sitzungsbeginn hinlänglich ausgetauscht. Die Besser wollten das Hoheitsrecht ihres Wassers nicht abgeben und SPD und CDU aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten einen Vollanschluss ans Gruppenwasserwerk.

Und so kam es am Ende auch - trotz einer lautstarken und durch hitzige Zwischenrufe unterbrochenen Diskussion. SPD- und CDU-Fraktion stimmten namentlich für den Anschluss. Gegen die Stimmen von FWG und Grünen. 250 Zuschauer waren in Haldorf, darunter 200 Befürworter des Besser Wassers.

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Die Angst der Besser, ihr Wasser, die Wertschöpfung und Einflussnahme zu verlieren, scheint indes unbegründet. Günter Jung, Verbandsvorsteher des Gruppenwassewerks und Waberns Bürgermeister, richtete sich im Gespräch mit der HNA an die Besser und sagte zu, dass die Besser ihre Quellen solange wie möglich behalten sollen. „Wir sind froh über das zusätzliche Wasser. Die Infrastruktur der Anlage und Zuleitungen ist soweit in Ordnung und wird von uns in Schuss gehalten.“ Er erwarte nicht, dass es in den kommenden Jahren irgendwelche Schwierigkeiten geben könnte, schließlich sprudeln die Quellen schon seit mehr als 100 Jahren. Und so könne es aus seiner Sicht auch bleiben.

Geradezu salomonisch muten seine Aussagen an. In der Sitzung im Haldorfer Gemeinschaftshaus ging es nämlich ruppig zu wie schon lange nicht mehr. SPD-Fraktionsvorsitzender Günter Rudolph musste sich von den Zuschauerrängen Polemik und arrogantes Gebaren vorwerfen lassen und die FWG seitens der SPD, einen Keil in die Gemeinde zu treiben. Bürgermeister Karl-Heinz Färber: „Wir müssen vermeiden, dass en Riss durch Edermünde geht.“

Eine Annäherung der beiden Gruppen fand in der Sitzung nicht statt. Zahlen wurden gegenseitig angezweifelt und Aussagen des Rechnungsprüfungsamtes gegenübergestellt, Tradition und Identität ins Spiel gebracht, Quellschüttungen hochgerechnet und verschiedene Wirtschaflichkeitsberechnungen präsentiert.

Beide Seiten wähnten sich wohl im Besitz der einen Wahrheit, die es aber nicht immer gibt.

Von Damai D. Dewert

Klare Bekenntnisse zu Quellen von Chefs des Gruppenwasserwerks

Es sei kaum zu glauben, dass Besse vom Gruppenwasserwerk (GWW) trotz des maroden Leitungsnetzes übernommen werde und das GWW die Quellen weiterbetreibe, befürchtete Oliver Steyer, Fraktionsvorsitzender der Grünen.

„Wir müssen Besse aufgrund alter Beschlüsse aufnehmen“, sagt dazu Günter Jung. Der Waberner Bürgermeister ist derzeit auch Verbandsvorsitzender des Gruppenwasserwerks. Der Verband sei kommunal geführt und eine Einflussnahme der Gemeinden bestehe, sagte er zur Angst der Besser vor dem vermeintlich anonymen Wasseranbieter.

„Genauso ein Blödsinn ist es, dass wir von irgendeinem Unternehmen übernommen werden könnten“, sagt Jung.

„Wir wollen dass Kommunen möglichst viele Aufgaben der Grundversorgung selbst regeln und aus unserer Sicht ist das Netz auch weiterhin in kommunaler Hand“, sagt Günter Jung.

Er kenne die Vorbehalte vieler Einwohner gegenüber dem Anschluss. Er habe dies in Wabern selbst erlebt. „Die Besser brauchen sich aber überhaupt keine Sorgen machen. Wir werden die Quellen dort weiterbetreiben“, betont er. Man sei sogar froh über dieses zusätzliche Wasser beim GWW.

Auch die Wirtschaftlichkeit der Quellen sei gegeben. Zum Beispiel fielen in Besse die Energiekosten weg, das Wasser aus einer Tiefe von mehr als 500 Metern an die Oberfläche zu befördern wie in Kirchberg. Investitionen in das Leitungsnetz spielten bei der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit keine Rolle.

„Wir schonen unsere Tiefbrunnen, wenn wir den Bessern ihr Wasser geben und das ist gut so. Wir werden die Quellen in Besse noch lange betreiben.“ Es gebe Ausschlusskriterien wie die totale Verkeimung oder ein Versiegen der Quellen, aber dann wäre es mit den Quellen so oder so vorbei. Mit dem Fachwissen, den Möglichkeiten und der Erfahrung des Gruppenwasserwerks seien die Erfolgsaussichten sogar eher gestiegen.

Auch Alexander Wilhelm, Betriebsleiter des GWW, bekennt sich eindeutig zu den Besse Quellen. Bei Engpässen in Besser erhalten die Einwohner schon jetzt Wasser aus dem Kirchberger Tiefbrunnen. Davor müsse sich aber niemand fürchten: „Das Wasser von dort gehört zum Besten, was die Natur zu bieten hat“, sagt Alexander Wilhelm, Betriebsleiter des GWW. Das Wasser sei zwischen 1000 und 5000 Jahre alt und nie mit menschlichen Verunreinigungen in Kontakt gekommen. Auch wenn es etwas härter sei, werde nichts zugesetzt. „Das Wasser ist ein reines Naturprodukt“, sagt Wilhelm. (ddd)

Zitate aus Sitzung

Die Fronten waren verhärtet und sie sind es wohl noch: Einige Aussagen aus der Sitzung:

• „Es fällt mir nicht leicht, diese Entscheidung zu treffen.“ Karl-Heinz Färber

• „Die Wassermenge der Hertingshäuser Quelle steht in keinem Verhältnis zum Aufwand des Anschlusses.“ Karl-Heinz Färber

• „Das Wasser ist gar nicht defizitär. Stattdessen ist viel Geld in den allgemeinen Haushalt geflossen.“ Oliver Steyer

• „Die Abschreibungen fließen seit Jahren in den Haushalt.“ Werner Seitz

• „Der Rückfluss in Investitionen war zu gering. Das hat das Rechnungsprüfungsamt bestätigt.“ Markus Opitz

• „Eigentlich haben wir sogar im schlechten Jahr 2010 einen Überschuss von 12.000 Euro gehabt.“ Werner Seitz

• „Wir verändern nur die organisatorische Struktur.“ Günter Rudolph

Quelle: HNA

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