Samenmischungen zum Abholen in der Geschäftsstelle

HNA-Aktion: Wir bringen das Wolfhager Land zum Blühen

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Lockt Insekten in den Garten der Hummelwerkstatt: Biologin Claudia Thöne. Im Bild sind Taubnesseln zu sehen.

Wolfhagen. Mit der HNA-Aktion „Der Landkreis blüht“ wollen wir mit Ihnen, liebe Leser, einen Beitrag gegen das Insektensterben leisten und rufen zur Anlage von Blühflächen auf.

Fast 80 Prozent weniger Fluginsekten als noch vor knapp 30 Jahren gibt es in Deutschland – diese alarmierende Zahl lieferte jüngst eine Studie der Fachzeitschrift Plos One. Das gilt auch für das Wolfhager Land: Derzeit müssten zuhauf Bienen und Hummeln in unserer Region unterwegs sein. Doch vielerorts herrscht Stille. Mit der HNA-Aktion „Der Landkreis blüht“ wollen wir mit Ihnen, liebe Leser, einen Beitrag gegen das Insektensterben leisten und rufen zur Anlage von Blühflächen auf.

In den HNA-Geschäftsstellen gibt es Samenmischungen gratis zum Abholen. Außerdem verlosen wir unter allen, die uns ein Foto ihrer Blühfläche schicken, Gutscheine für Ihren Wunsch-Gartenmarkt.

Privatleute haben großen Einfluss auf Artenvielfalt

Privatleute haben mit der Gestaltung ihrer Gärten einen großen Einfluss auf die Artenvielfalt, betont Claudia Thöne. Die Diplom-Biologin leitet das Naturinformationszentrum in Naumburg und die dortige Hummelwerkstatt. „Natürlich spielt auch die Landwirtschaft eine große Rolle. 

Gerade im Sommer, wenn Insekten viel Nahrung brauchen, sind die Felder leer und die Wegränder gemäht. Aber jeder kann auch in seinem Garten etwas tun“, sagt sie. Besonders gut geeignet für Bienen und Hummeln seien beispielsweise Schmetterlingsblütler und Kornelkirschen, die auch für Vögel Nahrung bieten. Fremde Pflanzen wie Indisches Springkraut verdrängen hingegen oft einheimische Pflanzen.

In Zierenberg, Wolfhagen, Habichtswald, Breuna und Naumburg sind – teils in Zusammenarbeit mit dem Imkerverein Wolfhagen, teils mit den Naturschutzbund-Ortsvereinen – in den vergangenen Jahren bereits mehrere gemeindliche Grünflächen in Blumenwiesen umgewandelt worden, weitere sollen folgen. In Bad Emstal gibt es bislang eine solche Fläche im Kurpark in Sand. Über eine weitere in Balhorn soll demnächst entschieden werden. 

Biologen Claudia Thöne und Hans-Joachim Flügel geben Tipps:

Es summt und brummt Im Garten der Hummelwerkstatt in Naumburg – obwohl die meisten Pflanzen noch gar nicht blühen. Wegen des kalten März verzögert sich das bei einigen Blumen und Sträuchern in diesem Jahr, sagt die Biologin Claudia Thöne. 

Doch die Taubnessel bietet bereits jede Menge Nektar – vor allem für Insekten mit langen Rüsseln wie Hummeln und Schmetterlinge. Gemeinsam mit dem Biologen Hans-Joachim Flügel, der in Knüllwald ein Bienenmuseum betreibt, erklärt sie, wie man Insekten anlockt und Wiesen anlegt, auf denen sie sich zuhauf tummeln. 

Das Wichtigste: Nicht alles, was bunt ist und außergewöhnlich schön blüht, ist auch für Insekten ansprechend. „Viele haben einen tollen bunten Balkon. Aber er ist leblos“, sagt Flügel. Gartenmärkte hätten zahlreiche Pflanzen im Angebot, die nicht von hier stammten, „und die sind für unsere Insekten oft nicht zu gebrauchen“. 

Auch den Rasenschnitt vieler Gartenbesitzer kritisiert er. „Der Rasen wird rappelkurz geschnitten und jedes Unkraut wird verbannt.“ Würde jeder in seinem Garten eine Blühwiese anlegen, könnte dies den Insekten enorm helfen, ist sich Flügel sicher. Er kennt mehrere Varianten, um solche Flächen zu schaffen.

Variante 1: Nicht mähen

Die einfachste Variante, um eine Blühfläche anzulegen, sei, einen Teil im Garten nicht zu mähen. „Man wartet einfach mal ein paar Wochen ab, was dort alles wächst“, sagt der Biologe. Denn wenn es sich nicht um einen englischen Rasen handele, verbergen sich im Boden zahlreiche Wildkräuter wie Löwenzahn, Giersch und Gänseblümchen, die von Insekten sehr gern angeflogen werden. 

Nach vier Wochen könne man die Fläche mähen und das Gras an einer anderen Stelle im Garten stehen lassen. „So hat man das ganze Jahr über mindestens eine blühende Fläche im Garten.“ Auch im Winter ist ein aufgeräumter Garten für Tiere ein Problem. Zum Beispiel sei Verschnitt ein Lebensraum für sie, erklärt Claudia Thöne. Deswegen empfiehlt sie, Äste und Stängel in einer Gartenecke abzulegen.

Variante 2: Einsäen 

Mit einer Samenmischung für Wildblumen kann man sich eine tolle bunte Wiese im Garten schaffen. Die Aussaat kann bis Ende Mai erfolgen. Jedoch muss vorher das Gras entfernt werden, der Boden umgegraben und gelockert werden, sagt Flügel. Man könne die Samen nicht einfach auf den Rasen streuen, da die Körner dann nicht keimen und von Vögeln gefressen würden. 

Die Wiese muss an einem sonnigen Standort angelegt werden, „sonst kümmern die Pflanzen im Schatten“. Die Samen werden auf den lockeren Boden gestreut (vorher am besten in einem Eimer mit Sand mischen) und anschließend festgetreten oder besser gewalzt. Die Samen dürfen nicht voll mit Erde bedeckt sein, da es sich um Lichtkeimer handelt. Gießen nach der Aussaat sei nur nötig, wenn es in den darauffolgenden drei Tagen nicht regnen sollte. 

Wenn die Wiese blüht, sei keine Pflege, auch kein Gießen mehr nötig. „Das sind Steppenpflanzen, die kommen mit wenig Wasser gut aus.“ Im Herbst könne man die Wiese mähen, Flügel empfiehlt allerdings, die Pflanzen über den Winter stehen zu lassen und erst im Frühjahr zu mähen. Vögel ernährten sich im Winter gern von den Samen der abgetrockneten Pflanzen. 

Im zweiten Jahr müsse man den Boden gut umpflügen, um die Blumenwiese wieder zum Blühen zu bringen, sonst setzen sich Unkraut und Gras gegen die Samen durch.

Variante 3: Vorziehen

Für eine Blühfläche können Blumen in Töpfen vorgezogen und eingepflanzt werden. Ein Renner bei Bienen, Hummeln und Schmetterlingen sei die Acker-Witwenblume sagt Flügel. Ungefüllte Dahlien und Margeriten seien auch empfehlenswert. Grundsätzlich solle man darauf achten, dass die Blumen ungefüllt sind. 

„Eine gefüllte Dahlie ist so wertvoll für Insekten wie eine Plastik-Blume“, sagt Flügel. Bei gefüllten Blüten sind die Staubblätter, die den Pollen produzieren, nur Schauorgane. „Insekten brauchen den Blütenstaub für ihren Eiweißbedarf“, sagt Claudia Thöne. Sie berät Interessierte in der Hummelwerkstatt bei der Frage, welche Pflanzen für die jeweiligen Flächen am besten geeignet sind.

Machen Sie mit: Gutscheine zu gewinnen

Gemeinsam mit Ihnen, liebe Leser, wollen wir dafür sorgen, dass es im Sommer im Wolfhager Land ordentlich blüht. Sie erhalten in allen HNA-Geschäftsstellen je eine Samen-Mischung zur Anlage von Blumenwiesen im Garten kostenlos. 

In einer Fotostrecke im Internet und Bilderseiten in der Print-Ausgabe wollen wir Ihre Blumenwiesen-Fotos veröffentlichen. Jeder, der uns bis zum 31. August ein Foto seiner Blühfläche schickt, hat die Chance auf einen Gutschein eines Gartenmarktes seiner Wahl. Wir verlosen unter allen Einsendern einmal einen 50-Euro-Gutschein sowie viermal einen 25-Euro Gutschein.

Schicken Sie Ihre Fotos an wolfhagen@hna.de mit der Angabe des Namens, Telefonnummer und Wohnort.

In einer früheren Version des Artikels hatte es geheißen, dass Forsythien gut als Nahrungsquelle für Bienen und Hummeln geeignet sind. Biologin Claudia Thöne wurde entsprechend falsch zitiert. Das Gegenteil ist richtig: Die Pflanzen produzieren weder Blütenstaub noch Nektar und bieten für die meisten Insekten keine Nahrung. Wir bitten, den Fehler zu entschuldigen.

Quelle: HNA

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