HNA-Interview

Band von Max Scharff aus Breuna gewann Auftritt bei GZSZ

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Tiefsinnige Texte und tanzbare Beats: Max Scharff (links) und Christian Hyla starten mit ihrer Band Schafe & Wölfe so richtig durch und haben jüngst einen Band-Contest für einen Auftritt in der RTL-Serie „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ gewonnen.

Breuna/Hamburg. Die 2013 gegründete Band Schafe & Wölfe startet momentan durch. Die aktuelle Single der beiden Jungs „Alles ist am Leben“ läuft in der Telekomwerbung, sie hatten ihren ersten großen Auftritt beim Electro-Festival Melt und am Freitag, 22. August, sind sie in der Kultsoap „Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ auf der Bühne des Clubs Mauerwerks zu sehen.

Wir sprachen mit Sänger Max Scharff, der in Breuna viele prägende Jahre verbrachte.

Und hat Linda Marlen Runge (Schauspielerin bei GZSZ) ordentlich zu euren Songs abgetanzt? Oder ist alles nur Show?

Max Scharff: Also Linda kannte uns tatsächlich vorher schon und hat vor Ende der Aktion schon gesagt, dass sie hofft, dass wir gewinnen. Sicher ist in der Folge selbst praktisch alles nur Show und jeder spielt seinen Part. Aber das kann man ja auch nicht anders erwarten. Für uns war es einfach witzig diesen „Zirkus“ mal mitzumachen.

Die Zielgruppe von GZSZ sind eher Teeniemädels. Eure auch?

Scharff: Über so etwas machen wir uns keine Gedanken. Es geht ja auch nicht darum, diese oder andere Leute zu erreichen und irgendwas auf eine Zielgruppe zuzuschneiden. Wir erzählen einfach ein paar kleine Geschichten, machen Musik und hoffen, dass sich da draußen irgendjemand damit identifizieren kann. Ob das jetzt „Teeniemädels“ sind, wie du sagst, oder eine 33-jährige Kassiererin, ein Banker oder ein Student - das ist uns egal. Wir wünschen uns, dass sich Menschen damit beschäftigen.

Ihr heißt Schafe & Wölfe. Ihr macht Electro, Hiphop und irgendwie auch ein bisschen Indiepoprock. Ziehen sich Gegensätze an?

Scharff: Natürlich. Gegensätze ziehen sich nicht nur an, sie machen ja überhaupt alles Besondere erst besonders. Ohne hässlich gäbe es kein schön. Das muss man ja auch mal so sehen. Wir versuchen ein paar Gegensätze zusammen zu bringen und daher ist der Name natürlich bewusst gewählt.

Ihr werdet gerne mal mit Casper verglichen. Vielleicht nicht nur weil ihr beide auf Deutsch rappt, sondern auch einige Jahre im wie ihr sagt „westfälischen Ödland“ verbracht haben. Nervt das? Und mit wem würdet ihr denn gern verglichen werden? 

Scharff: Ich glaube, dass man als Künstler dahin will, dass andere mit einem selbst verglichen werden und nicht umgekehrt. Aber davon sind wir natürlich weit entfernt. Uns ehren die Vergleiche eher, als das sie uns stören. Wir haben natürlich jeder viele Einflüsse und Vorbilder - musikalisch wie textlich. Turbostaat, New Order, Kettcar, Two Door Cinema Club, Tocotronic oder The Smiths sind große Vorbilder für uns. Das da was ganz anderes bei rauskommt am Ende, ist auch den Gegebenheiten geschuldet.

Eure erste EP „Große Augen für schlechte Aussichten“ ist im Frühjahr erschienen. Wann darf man denn mit einem „echten“ Album rechnen und was wird darauf zu hören sein?

Scharff: Dazu kann ich nicht wirklich was sagen, weil wir einfach noch nicht zufrieden sind. Wir wollen noch sehen, was so möglich ist und vielleicht noch drei, vier Songs nachlegen. Wir haben nämlich ein fertiges Album in der Schublade - die Arbeit ist allerdings nie zu Ende. Leider.

Ihr singt konsequent auf Deutsch und nicht selten über Schwerverdauliches, wie „diesen Krater in der Brust“. Wie wichtig sind euch die Texte?

Scharff: Super wichtig. Also gerade für mich als Texter bedeutet das einfach Alles. Es geht da ja auch hauptsächlich um mich, um uns und unsere Erfahrungen. Man stellt ja ein bisschen was von sich selbst in die Welt und wird dafür beurteilt. Das kann sehr schön, aber auch manchmal sehr vernichtend sein.

Viele eure Lieder klingen nach melancholischer Großstadtromantik. Du bist in Breuna aufgewachsen und dann nach Lemgo gezogen. Mit Großstadt hat beides eher weniger zu tun. Wie viel Einfluss hat die Heimat denn auf euch?

Scharff: Diese Großstadtromantik, das ist ja auch ein Ausdruck von Fernweh. Das ist eine Sehnsucht, die sich auf die kleinen Erfahrungen stützt. Ich wohne mittlerweile in Hamburg und es ist schon interessant zu sehen, wie sich die Vorstellung beziehungsweise diese Sehnsucht von der Realität unterscheidet. Natürlich ist es nicht komplett anders - es ist eher noch viel krasser. Ein noch stärkeres Gefühl von Anonymität in der Masse, nie allein, immer verfügbar.

Apropos Heimat: Wann verschlägt es euch denn mal wieder nach Nordhessen?

Scharff: Wir waren im Januar das letzte Mal in Kassel und ich bin mir sicher, dass es uns auch wieder dahin verschlagen wird. Wenn uns jemand sehen will, dann kommen wir - so viel kann ich auf jeden Fall sagen.

Festivals, GZSZ, Werbe-Songs. Nächste Station Pop-Olymp?

Scharff: Das halte ich für unwahrscheinlich. Dazu sind wir auch gar nicht Pop genug. Wir bieten ja ganz bewusst Angriffsfläche zum Schlechtfinden. Jedem zu gefallen, das kann auch gar nicht das Ziel sein. Wenn wir Konzerte spielen können und da Leute kommen, die vielleicht bei ein paar Songs schon die Texte kennen, das ist für uns einfach das Größte. Zu sehen, dass da etwas wächst, das wir daraus geschickt haben, ist einfach toll. Wenn das weiter wächst, dann sind wir zufrieden.

Zur Person

Max Scharff (25) wuchs in Breuna auf. Nach dem Abitur zog er nach Lemgo, wo er seinen Bandpartner Christian Hyla kennenlernte. Er ist Sänger, Texter und manchmal auch Keyboarder der Band. Seit März lebt der Single in einer Wohngemeinschaft in Hamburg. Auch im Berufsleben ist er der Musik treu: Er arbeitet für einen Musikverlag und einen Veranstaltungsblog.

Von Michaela Pflug

Quelle: HNA

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