HNA-Serie bietet Einblicke in Polizeiarbeit

Yvonne Winter ermittelt gegen Kinderschänder und Vergewaltiger

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Der Berufsalltag fordert vieles ab: Yvonne Winter ist Kriminaloberkommissarin und bearbeitet Sexualdelikte und Kindesmisshandlungen bei der Kriminalpolizei in Homberg. 43 offene Fälle bearbeitet die 41-Jährige derzeit.

Schwalm-Eder. Der Arbeitsalltag von Yvonne Winter ist knallhart und nicht jugendfrei. In unserer HNA-Serie stellen wir Polizeiberufe vor.  

Die 41-Jährige ist Kriminaloberkommissarin bei der Sitte. Diese gehört zum Dezernat 10 für Kapitalverbrechen bei der Homberger Kriminalpolizei. Ihr Aufgabengebiet: Sexualdelikte und Kindesmisshandlungen. Insbesondere diese Fälle gehen ihr besonders nah. Yvonne Winter ist zweifache Mutter.

Der Fall 

Jüngst ermittelte sie im Fall eines dreijährigen Kindes, das die Eltern mehrfach mit heißen Flüssigkeiten verbrüht hatten. Die Eltern schlugen ihren Sohn außerdem. Die blauen Flecke übermalten sie anschließend mit bunten Mustern. „Das ist unfassbar. Die Mutter malte mit Edding Blumen auf die Verletzungen ihres Kindes“, sagt Winter.

Die Ermittlungen 

Die Ermittlungen starteten - wie so oft in solchen Fällen - weil sich jemand an die Öffentlichkeit wendete. Dem Kindergarten fielen die Verletzungen auf. Das Kind konnte eines Tages wegen akuter Brandverletzungen kaum laufen. Yvonne Winter bekam den Fall über die Jugendhilfe mitgeteilt. Das Kind war zuvor ins Klinikum Kassel gebracht worden. Winter befragte die Erzieher und sprach mit dem misshandelten Jungen im Krankenhaus. Eine Befragung ist dann ohne Beisein der Eltern möglich, wenn diese selbst Beschuldigte sind. Ein Ergänzungspfleger vertritt dann die Rechte des Kindes.

Einmalig: Zur Ermittlungsarbeit gehört auch die Videoaufzeichnung von Vernehmungen. So lässt sich zum Beispiel das Verhalten besser analysieren. Die Kameras sind in Yvonne Winters Büro installiert. Im Nebenraum steht die Technik.

Das Kind nannte die Mutter und den Stiefvater als Täter. Die Mutter soll das Kind verbrüht haben und der Stiefvater ihm zwei Zähne ausgeschlagen haben. „Wut und Unverständnis sind in solchen Momenten einfach da. So wie Angst um die eigenen Kinder“, sagt Yvonne Winter.

Das Ergebnis 

Häufig komme Frust hinzu: Nicht nur, dass die Eltern ihr Kind sofort im Krankenhaus besuchen durften, der Anwalt der Eltern beantragte vor deren Vernehmung Akteneinsicht. Damit ging der Fall direkt an die Staatsanwaltschaft. „Ich bin dann raus aus den Ermittlungen - kenne bis jetzt nicht den Stand des Verfahrens. Ich weiß nicht, was die Eltern gesagt haben, ob Anklage erhoben wird und, wenn ja, mit welchen Tatvorwürfen.“

Leiter der Ermittlungen ist immer die Staatsanwaltschaft. Die Polizei arbeitet zu. Sollte es zur Anklage kommen, könnte Winter zur Gerichtsverhandlung als Zeugin geladen werden. Welche Strafe die Eltern bekommen? Noch offen. Immerhin gibt es nach Abschluss des Verfahrens einen Hinweis auf das Strafmaß oder ob das Verfahren eingestellt worden ist.

Offene Fälle 

Auf Yvonne Winters Schreibtisch warten 43 offene Fälle, die sie mit ihrer 30 Stunden-Woche zu bearbeiten habt. Parallel. Meistens tun sich menschliche Abgründe auf. Unter den 43 Fällen sind aber auch solche, die sie aus ihrem Bereitschaftsdienst übernommen hat. Diesen leisten die Kripobeamten regelmäßig nach ihrem Dienstschluss und an Wochenenden. Diese Fälle nehmen die Beamten mit in ihren regulären Dienst - vom Überfall bis zum Tötungsdelikt kann alles dabei sein.

Die Belastung 

Der Druck ist allgegenwärtig. Und er muss raus. Sport ist das Ventil für Winter. Aber einfach nur ein bisschen Laufen reicht der 41-Jährigen nicht: Sie ist auch Fitnesstrainerin. Für die Kollegen gibt es Beratungsangebote und einen zentralen Psychologischen Dienst. Die Zeiten hätten sich gewandelt, sagt sie. Es sei kein Eingeständnis von Schwäche, wenn ein Kollege Hilfe in Anspruch nehme. „Das war mal anders“, sagt Winter.

Die Polizeidirektion Schwalm-Eder im Überblick

Die Polizeidirektion Schwalm-Eder gehört zum Polizeipräsidium Nordhessen (PP Nordhessen). In Hessen gibt es sieben Präsidien. 

Zum PP Nordhessen gehören noch die Direktionen in Kassel, Waldeck-Frankenberg und Werra-Meißner. Die Direktion Schwalm-Eder umfasst das Kreisgebiet und ist den Polizeistationen und der Kriminalpolizei übergeordnet. Chef der Direktion ist der Kriminaldirektor Hubertus Hannappel. 

Zur Polizeidirektion gehört noch die Führungsgruppe von Thomas Gläsel. Dort wird die Personal- und Einsatzplanung erstellt und viele andere organisatorische Aufgaben werden übernommen. Dort sind auch der Fuhrpark angesiedelt und die Akteneingabe und -verwaltung. 

Die Polizeistationen 

Mit Schwalmstadt, Homberg, Fritzlar und Melsungen gibt es vier Stationen der Schutzpolizei im Landkreis. Die Stationen haben jeweils einen Leiter, eine Ermittlungsgruppe und fünf Dienstgruppen. Die Dienstgruppen organisieren den 24-Stunden-Dienst in zwei Schichten. Jede Schicht dauert zwölf Stunden. Die Ermittlungsgruppe bearbeitet viele Fälle weiter, die die Kollegen vor Ort aufgenommen haben. Beispielsweise sind Beamte bei einem Einbruch, nehmen erste Spuren und Zeugenaussagen auf und geben den Fall dann ab. Unter Umständen zieht die Ermittlungsgruppe die Kriminalpolizei hinzu. Verkehrsunfälle, Körperverletzungen, Einbrüche und Diebstähle werden in den Stationen bearbeitet. Ab einer gewissen Schwere werden die Fälle an die Kripo abgegeben. 

Regionaler Verkehrsdienst 

Zur Polizeidirektion gehört außerdem der Regionale Verkehrsdienst. Dort nehmen die Kollegen Schwertransporte ab und auch die Jugendverkehrsschule ist dort angesiedelt. Der Verkehrsdienst wird bei Verkehrsplanungen hinzugezogen – zum Beispiel von der Straßenverkehrsbehörde bei der Baustellenplanung zur Verkehrsführung und bei der Auswertung von Unfallschwerpunkten. Die Kollegen sind auch für die Verkehrsüberwachung mit dem Radar zuständig. 

Kriminalinspektion 

Die Regionale Kriminalinspektion ist in drei Kommissariate unterteilt. Geleitet wird sie derzeit kommissarisch vom Ersten Kriminalhauptkommissar Bernhard Volke. Der kann beispielsweise vorschlagen, eine Sonderkommission einzurichten und Kollegen beim PP anfordern. 

Kommissariat 10, Schwerkriminalität: Gewaltverbrechen (Verdacht auf Tötungsdelikte), Brand, Waffen (alles, was mit Waffen zu tun hat, Verstoß gegen Kriegswaffenkontrollgesetz) , Sexualdelikte (von sexueller Nötigung über Vergewaltigung bis hin zu Kindermisshandlungen) und Staatsschutz (politisch/religiös motivierte Kriminalität) – zum Beispiel Tötungsdelikte. Bei schwerwiegenden Fällen werden alle Fachleute zusammengeholt, Unterstützung gibt es aber auch aus anderen Kommissariaten. An Wochenenden und nachts leisten Beamte aus allen Kommissariaten Bereitschaftsdienste. Bei einem wahrscheinlichen Tötungsdelikt würde zwar immer ein Kollege aus dem K10 alarmiert, eine Art ständige Mordkommission gibt es aber nicht.

Kommissariat 20, Einbruch, Betrug, Vermögens-, Fälsch- und Umweltdelikte. Ermittelt wird zum Beispiels bei schweren Einbrüchen und bei Ebay-Betrügereien und Enkeltricks. Bei den Internetbetrügereien ist eine deutliche Zunahme zu verzeichnen. Außerdem ermitteln die Beamten bei Autodiebstählen, Dokumentenfälschungen, Falschgeld und schwerwiegenden Umweltdelikten. 

Kommissariat 30, zuständig für Rauschgift- und Diebstahldelikte sowie verdeckte Operationen, Observationen dazu zählen auch der Erkennungsdienst und ein Beamter, der zuständig ist für Mehrfach- und Intensivtäter. Zur Polizeidirektion gehört außerdem noch die Pressestelle.








Quelle: HNA

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