Professor Gerhard Aumüller referierte in Fritzlar über die Geschichte der Domorgeln

Hoch über den Gläubigen

Heute im Dom: Die 1929 gebaute Klais-Orgel mit barockem Orgelprospekt. Darunter befindet sich die Kaiserloge mit dem Spieltisch der Orgel und dem Gehäuse mit 3045 Orgelpfeifen. Fotos: Auerbach

Fritzlar. Meist sind sie regelrechte Kunstwerke und für die Gläubigen und das Publikum unerreichbar hoch auf einer Empore im hinteren Kirchenraum platziert. Von dort faszinieren die majestätischen Musikinstrumente die Menschen mit machtvoll triumphierenden Klängen und auch flüsternd im Pianissimo.

Gemeint ist die Kirchenorgel. Einer, der sich seit Jahren neben seiner Profession als Mediziner und Hochschullehrer an der Universität Marburg sehr engagiert mit Orgeln befasst und sich als Orgelhistoriker auszeichnet, ist Prof. Dr. Gerhard Aumüller.

Am Donnerstagabend gastierte er auf Einladung des Geschichtsvereins Fritzlar in der Evangelischen Stadtkirche und referierte über „Fritzlar als künstlerischer Knotenpunkt im hessisch-westfälisch-thüringischen Orgelbau“.

Der 60-minütige Vortrag ließ die Leidenschaft des Forschers und seine Liebe zur Kirchenorgel deutlich werden. In einem Streifzug durch die Welt des Orgelbaues verschaffte er interessante Einblicke, wie Kirchenorgeln durch Orgelbauer in Gotik, Renaissance und Barock erbaut und weiterentwickelt wurden.

Erste Quellen von 1511

Dabei rückte Dr. Aumüller die historischen Domorgeln von Fritzlar immer wieder in den Mittelpunkt. So gebe es im Stiftsarchiv Dokumente über die Reparaturen an einer Orgel bereits aus dem Jahr 1511, die die frühe Existenz einer Domorgel in Fritzlar bewiesen. In den Jahren 1587 bis 1590 habe der Organist und Orgelbauer Heinrich Cumpenius aus Nordhausen mit zwei seiner Söhne ein neues, großes Orgelwerk im Dom erbaut.

In Fritzlar sei damals eine grandiose Orgel entstanden, die aufgrund von Technik, Verarbeitung und Klang richtungsweisend wurde für den mitteldeutschen Orgelbau in Erfurt, Halle, Magdeburg, Wolfenbüttel, Weimar, Bückeburg und Kassel.

Im Jahr 1768 wurde eine neue Orgel in Auftrag gegeben und schließlich vom Orgelbauer Gottlieb Müller aus Paderborn vollendet. Die Müller-Orgel wurde 1915 außer Dienst gestellt.

Noch heute erklingt im Dom die 1929 von der berühmten Orgelbaufirma Johann Klais (Bonn) konstruierte Orgel. Der Erbauer renovierte das Instrument 1994.

Beispiele für die faszinierende Klangwelt der Orgeln bot Bezirkskantor Reiner Volgmann mit seinem Spiel an der modernen Bosch-Orgel von 1982 der Stadtkirche.

Von Michael Auerbach

Quelle: HNA

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